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29 September 2026

Interview mit Evelyne Aschwanden


 

  


 

Heute möchte ich euch Evelyne Aschwanden vorstellen, eine Autorin auf die ich durch Instagram aufmerksam wurde. Vor allem wegen ihrer tollen (Dark) Fantasy Bücher und dem Bereich Märchenadaptionen.

Zum morgigen Release von Taming The Beast hatte ich die Gelegenheit, endlich mit ihr ins Gespräch zu kommen.

 

Swapnix: Hallo Evelyne, wie schön, dass du da bist, bitte stelle dich meinen LeserInnen einmal vor. Wer bist du und was machst du, wenn du nicht gerade Bücher schreibst?

Evelyne: Hallo zusammen, mein Name ist Evelyne Aschwanden und ich veröffentliche seit 2017 sapphic Fantasybücher im Selfpublishing. Wenn ich nicht gerade schreibe, lese ich natürlich viel, reise, zocke und spiele gern D&D mit meinen Freund:innen.

 

Swapnix: Wie bist du zum Schreiben gekommen, und in welchen Genre schreibst du am liebsten?

Evelyne: Ich hab tatsächlich sehr früh schon mit dem Schreiben begonnen – meine erste Geschichte entstand mit sieben Jahren! Seit ich schreibe, habe ich ausschließlich Fantasy geschrieben. Das ist und bleibt einfach das, für was ich am meisten brenne.

 

Swapnix: Worum geht es in deiner Dilogie Killing the Beast und Taming the Beast? Und was hat dich zu diesen Geschichten Inspiriert?

Evelyne: Bei Killing the Beast begann alles mit einer einfachen Frage: „Was, wenn ich eine Version von Beauty and the Beast schreibe, in der Belle eine Monsterjägerin ist, die das Biest töten muss?“ So hat sich dann Stück für Stück die Geschichte drumherum entwickelt. Bei Taming the Beast war es tatsächlich ein Bild von einer blutüberströmten Axtkämpferin im Schnee, das mir eines Tages als Gedankenblitz durch den Kopf geschossen ist und das ich dann irgendwie nicht mehr loswurde.

 

Swapnix: Was würdest du sagen, ist das Besondere an deinen ProtagonistInnen und was macht die Bücher für dich lesenswert?

Evelyne: Mir persönlich ist es wichtig, dass meine Figuren nicht immer zwangsläufig sympathisch sind, sondern in erster Linie interessant. Sie dürfen sich wie ein Arschloch benehmen, solange das in ihrer Charakterisierung irgendwo begründet ist. Gerade wenn es um Frauenfiguren geht, habe ich manchmal das Gefühl, dass weibliche Charaktere, die nicht der Norm entsprechen, schnell mal als „zickig“ oder „schwierig“ abgestempelt werden. Umso wichtiger ist es mir, dass meine Protagonistinnen komplexe Figuren mit Tiefe sind.

 

Swapnix: Gibt es etwas, was du mit deinen Büchern transportieren möchtest und für welche LeserInnen schreibst du?

Evelyne: Meine Buchfiguren haben sehr oft einen Außenseiter-Status. Ich glaube, das kommt auch daher, dass ich mich selbst als queere Frau oft in meiner Schulzeit anders oder isoliert gefühlt habe. Ich würde sagen, ich schreibe für die Menschen, die dieses Gefühl auf die eine oder andere Weise nachvollziehen können und sich endlich in Büchern repräsentiert sehen wollen.

 

Swapnix: Wer unterstützt dich bei der Erstellung von Covern und Charakterkarten?

Evelyne: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich! Ich achte darauf, kleine Künstler:innen zu unterstützen, vorzugsweise (aber nicht nur) deutschsprachige Künstler:innen. Da hat sich mit einigen im Verlauf der Jahre wirklich eine gute Zusammenarbeit etabliert und ich kehre gerne mit einem neuen Auftrag zurück.

 

Swapnix: Wo können wir dich mal Treffen und Lesen hören?

Evelyne: Dieses Jahr bin ich leider nicht an der FBM, aber ich hoffe, dass ich es zur Leipziger Buchmesse schaffe. Ansonsten bin ich im November auch an der Fantastica in St. Gallen (CH) anzutreffen.

 

Swapnix: Wie schätzt du die aktuelle Lage des Buchmarktes ein und was hältst du vom KI in der Buchbranche?

Evelyne: Ich bin mal vorsichtig optimistisch. Als das Thema generative KI aufkam, gehörte ich zu den Ersten, die aktiv Videos und Beiträge gegen die Nutzung von genAI bei Büchern gemacht haben. Damals hat es sich noch ein wenig wie ein Kämpfen gegen Windmühlen angefühlt. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass die allgemeine Auffassung von genAI in der Buchbranche eher negativ ist. Viele Verlage, die in den Anfängen noch auf KI-Cover setzten, haben inzwischen Anti-KI-Statements gepostet. In Autor:innenverträgen findet sich immer mehr auch ein generelles KI-Verbot. Carlsen und Penguin Random House sind zwei sehr prominente Verlage, die aktuell wegen Verstößen gegen das Urheberrecht gegen OpenAI (die Firma hinter ChatGPT) klagen. Und auch viele Schreibende, die anfangs noch ein wenig mit KI „herumgespielt“ haben, sind inzwischen davon weggekommen. Natürlich gibt es nach wie vor eine kleine (aber laute!) Minderheit, die trotz der Faktenlage kein Problem mit genAI sieht. Aber längerfristig kann ich mir kaum vorstellen, dass sich genAI in der Buchbranche wirklich etablieren wird. Dafür gibt es viel zu viel Gegenwind.

 

Swapnix: Abschließend wüsste ich natürlich sehr gerne,  ob du schon an etwas neuem Schreibst und ob du darüber schon etwas verraten darfst?

Evelyne: Gerade bin ich voll und ganz eingenommen von meinem Dark-Fantasy-Zweiteiler, der voraussichtlich im Frühling 2027 erscheinen wird. Viel kann ich noch nicht sagen, außer, dass das Projekt die üblichen Fantasy-Klischees (Licht gegen Dunkel, Auserwählten-Trope, europäisches Mittelalter etc.) ziemlich auf den Kopf stellt …

 

Swapnix: Liebe Evelyne, herzlichen Dank für das spannende Gespräch! Ich freue mich schon sehr auf deine neuen Bücher und wünsche Dir viele begeisterte LeserInnen!

 

#Autorinneninterview

#Buchvorstellungen

#Darkfantasy

#Märchenadaptionen

 

(Quelle Foto: Evelyn Aschwanden)

21 September 2026

Interview mit Diana Menschig zur Wieder Veröffentlichung von So finster so kalt


 



Grüßt euch, heute habe ich Diana Menschig als Gästin auf meinem Blog und ich möchte mit ihr über ihr Crowdfunding zu So finster so Kalt plaudern.

Swapnix: Worum geht es in S.f.s.k. und wie kommt es zu dem  Crowdfunding?

Diana: So finster, so kalt war 2014 mein zweiter veröffentlichter Roman, der wie kein zweiter für mich als vielseitige Autorin steht. Daher kann ich es kaum erwarten, die wunderschöne Neuauflage bald in den Händen zu halten!

So finster, so kalt ist ein phantastischer Roman nämlich Urban Fantasy mit märchenhaften Anteilen, aber auch ein historischer Roman: Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: In den 2010ern und im 17. Jahrhundert

Und zu guter Letzt auch ein Krimi mit einem klassischen Rätselplot

Dieses Buch ist für Menschen, die eine spannende Geschichte schätzen, gerne miträtseln und sich auf eine übernatürliche Auflösung einlassen können.

Swapnix: Wofür genau wird das Geld gesammelt, sprich wofür genutzt?

Diana: Mit den Einnahmen des Startnext-Projektes decken wir einen Teil der Kosten für die Druckauflage, das Cover und die Nebenkosten für die Veröffentlichung (Porto, Distribution).

Swapnix: Was für Pakete können wir während des CF erwerben und ist es ein „Alles oder Nichts“ oder ein Mindestbetrags- CF?

Diana: Es ist ein „Alles oder Nichts Crowdfunding“ und die verschiedenen Pakete stellen wir besser in einem gesonderten Beitrag vor.

Swapnix: Wann soll die Veröffentlichung sein

Diana: Bis Dezember 2026 soll das Projekt realisiert sein.

Swapnix: Liebe Diana, vielen Dank für diesen spannenden Einblick in das Crowdfunding, ich wünsche dir, dass das Geld zusammenkommt und dieses für dich so wichtige Buch wieder veröffentlicht werden kann.


#Sofinstersokalt

#Autorinnenvorstellung

#Crowdfunding

#Teamroterdrache

 

( Dieses Interview ist mithilfe und Rücksprache mit Diana Menschig, aus der Projektbeschreibung des Crowdfundings entstanden)

Im folgenden Beitrag stelle ich euch die „Dankeschöns“ des CF vor.

Quelle Foto: Diana Menschig) Templates bearbeitet mit CanvaPro)

 

 

 


04 September 2026

Interview mit Maja Ilisch zu ihrem neuesten Buch Prinzessin Floradora

 




Grüßt euch ihr Lieben, heute möchte ich euch Maja Ilisch und ihr neuestes Jugendbuch „Prinzessin Floradora- verflixt, verwünscht und voll verflucht“ vorstellen.

Ich traf Maja in Kassel persönlich, auf der Verleihung des Vielfalter Preises, welcher im Literatur Haus Kassel, verliehen wurde. Sie gewann den Preis mit ihrer Buchidee, welcher eine Veröffentlichung im Arena Kinderbuch Verlag beinhaltete.

Heute darf ich Maja zu ihrem Weg von der Idee zum Buch einige Fragen stellen.

 

Swapnix: Liebe Maja, ich gratuliere dir noch einmal, zu deinem Gewinn, die Idee klang so außergewöhnlich und nun bin ich sehr gespannt auf das Buch.

Doch zunächst stelle dich doch bitte erst einmal vor. Wer bist du, was machst du, wenn du nicht schreibst und schreibst du auch unter Pseudonym?

Maja: Ich heiße Maja Ilisch, bin Anfang fünfzig und lebe in der Gegend von Aachen. Die letzten fünfzehn Jahre über war ich ausschließlich freie Autorin und habe phantastische Literatur für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Weil es aber doch sehr schwer ist, vom Schreiben leben zu wollen, bin ich Anfang dieses Jahres in meinen ursprünglichen Beruf zurückgekehrt und arbeite jetzt als Bibliothekarin in einer kleinen Stadtbücherei, was mir großen Spaß macht, weil die Aufgaben da so vielseitig sind. Seitdem bleibt mir natürlich weniger Zeit zum Schreiben, was erstmal eine große Umstellung für mich war, aber langsam bekomme ich das wieder auf die Reihe. Und inzwischen kann ich sogar wieder meinen Hobbys nachgehen: Ich mache Musik, male mit Aquarellfarben und zocke leidenschaftlich am PC oder im Pen’n’Paper-Rollenspiel.

Ein Pseudonym benutze ich nicht, obwohl ich in so vielen verschiedenen Altersgruppen und Sub-Genres unterwegs bin – das hat sich irgendwie nie ergeben, und auch wenn ich das nicht kategorisch ausschließen will, bin ich doch froh, alle meine Bücher unter einem Dach zu haben.

 

Swapnix: Wie bist du zum Schreiben gekommen und in welchen Genre und Altersgruppen fühlst du dich literarisch zu Hause?

Maja: Ich habe eigentlich schon immer Geschichten erfunden, und als ich dann schreiben gelernt habe, war es die logische Schlussfolgerung, die auch aufzuschreiben. Nicht, dass ich damals irgendeine Geschichte fertigbekommen hätte, aber das hat mich nicht davon abgehalten, ein neues Buch nach dem anderen anzufangen! Erst als Jugendliche habe ich kürzere Geschichten fertiggestellt, und es hat bis zum Ende meines Studiums gedauert, bis ich endlich meinen ersten Roman fertigbekommen habe. Aber geschrieben habe ich eigentlich immer.

Nachdem meine zahlreichen Versuche, Krimis zu schreiben, krachend daran gescheitert sind, dass ich zwar das perfekte Verbrechen konstruieren, aber nicht aufklären konnte, bin ich in meinem anderen Lieblingsgerne, der Fantasyliteratur mit all ihren Facetten, hängengeblieben. Für Erwachsene habe ich Gaslicht-Mysteryromane geschrieben, die für meine Verhältnisse erstaunlich romantisch ausgefallen sind, und eine High Fantasy-Trilogie, der leider weder großer Erfolg noch lange Lebenszeit auf dem Buchmarkt vergönnt waren.

Gerade als da vom Verlag die Nachricht kam, dass die Reihe vergriffen gemeldet wird, kam postwendend von einem tollen Jugendbuchverlag die Zusage für mein erstes Kinderbuch, und seitdem habe ich vor allem Bücher für Menschen ab zehn veröffentlicht. Aber ich habe noch ganz viel in der Schublade, Bücher für ältere Jugendliche, ausgefallene Phantastik für Erwachsene, bis hin zu einem epischen Achtbänder, an dem ich seit über 25 Jahren schreibe und immerhin schon im sechsten Band angekommen bin.

Meine Bücher sind alle ein bisschen besonders, wobei ich auf die Harte Tour lernen musste, dass wenn eine Lektorin beim Manuskriptprüfen sagt: „Das ist so ein besonderes Buch!“, das einem Todesurteil gleichkommt und so viel bedeutet wie „völlig unverkäuflich“. Ich schreibe das trotzdem, weil ich genau diese Geschichten liebe und ich finde, es ist immer auch ein Plätzchen für das Besondere da. Da kann ich Anspruch mit meiner persönlichen Schrägheit kombinieren und mich freuen, wenn die Bücher dann bei Menschen landen, die nach genau dieser anspruchsvollen Schrägheit gesucht haben. Und dass immer noch Verlage Bücher von und mit mir machen wollen, lässt mich hoffen.

 

Swapnix: Worum geht es in Prinzessin Floradora, was ist das Besondere an dieser Geschichte  und wie kamst du auf die Idee zu ihr?

Maja: Ursprünglich, so um 2010 herum, wollte ich meiner Mutter ein Märchen zum Geburtstag schenken, und habe die Geschichte von der gehörnten Prinzessin angefangen. Und ich hatte auch durchaus Spaß daran – ich wollte so viele Märchen wie möglich liebevoll durch den Kakao ziehen und zu etwas ganz Neuem verquirlen. Nur bin ich über die ersten paar Kapitel nicht hinausgekommen, und das Buch ist über zehn Jahre lang liegengeblieben. Erst als „Unten“ erschienen ist, mein erstes Kinderbuch, und ich überlegt habe, was ich als Nachfolger schreiben kann, ist mir wieder mein gehörntes Märchen in den Sinn gekommen. Ich habe es nochmal neu aufgezogen, weil ich in der Zwischenzeit so viel dazugelernt hatte, und dann in einem Rutsch runtergeschrieben.

Es geht in dem Buch um die liebreizende Prinzessin Floradora, der die böse Fee ein Paar Widderhörner angeflucht hat. Eigentlich ganz praktisch, findet Floradora, zum Beispiel, um eine Tür einzurennen – ihre königlichen Eltern sehen das aber ganz anders, befinden, dass niemand mehr die entstellte Tochter zu Gesicht bekommen darf, und schicken sie auf Anraten der guten Fee bis zum Erreichen des heiratsfähigen Alters, wo sie dann mit der Macht der Wahren Liebe erlöst werden kann, ins Dunkelwald-Internat, während eine mechanische Puppe derweil das Winken auf dem Balkon übernehmen soll. Nur ist Floradora da nicht das einzige verfluchte Königskind, im Gegenteil: Tatsächlich ist die ganze Schule voll mit verfluchten Kindern. Und als sie mit Hilfe von unerwarteter Seite aus dem Internat fliehen können, müssen sie sich auch fragen, ob das, was sie bislang über die gute und die böse Fee alles so gehört haben, überhaupt der Wahrheit entspricht …

Für die Szenen in dem kalten, grauen Internat habe ich auf meine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen: Ich war 1985 als Kind wegen meiner Neurodermitis in Kur auf Borkum und habe vieles, das in den Studien über die Verschickungskinder ans Tageslicht gekommen ist, am eigenen Leib erleben dürfen. Vor allem, dass mich an meinem zehnten Geburtstag noch nicht mal meine Eltern anrufen durften, hat mich nachhaltig fertiggemacht. Aber in diesem Buch habe konnte ich die bitteren Erlebnisse überspitzt und mit einer Prise Humor aufarbeiten, hinreichend abstrahiert, dass es nicht mehr wehgetan hat, und alles in allem ist das doch ein verflixt witziger Roman geworden, voller Wortwitz, aber eben auch mit Tiefgang.

 

Swapnix: Gibt es eine Botschaft, welche du mit diesem Buch transportieren möchtest? Und war dieser dann auch der Grund, weshalb du die Geschichte für den Vielfalter Preis eingereicht hast?

Maja: Eine Botschaft hat das Buch tatsächlich – mehrere sogar! Die für mich Wichtigste ist, dass nicht jeder vermeintliche Fluch auch gebrochen werden muss. Ich bin mit Kinderbuchklassikern wie „Heidi“ oder „Der geheime Garten“ aufgewachsen, in denen Kinder mit Behinderungen, so sie denn überhaupt vorkamen, im Verlauf der Handlung geheilt werden mussten, Gelähmte das Laufen lernen und so. Dass fand ich damals schon dermaßen verlogen, dass ich schon ganz früh etwas schreiben wollte, in dem jemand mit Behinderung Hürden überwindet, ohne dabei eine wundersame Heilung zu erfahren, und am Schluss trotzdem stärker als vorher dasteht. „Prinzessin Floradora“ ist also nicht die erste Geschichte, in der ich diese Botschaft übermitteln will – aber die erste, die auch einen Verlag gefunden hat.

Das Lustige mit dem Vielfalter Literaturpreis ist, dass ich nicht mal wusste, dass ich teilgenommen habe, bis die Shortlist veröffentlicht wurde. Meine tolle Agentin hat das Buch da eingereicht, ohne mir Bescheid zu geben, um mich im Zweifelsfall positiv zu überraschen, und hätte ich nichts gewonnen, wäre ich nicht enttäuscht worden, weil ich nie davon erfahren hätte. Leider war es nämlich so, dass meine inzwischen langjährige Kinderbuchlektorin nicht so überzeugt war von dem Buch und lieber etwas anderes mit mir machen wollte – das ist dann das philosophische Buch „Die vierte Wand“ geworden, und meine gehörnte Prinzessin landete erst in der Schublade und dann beim Vielfalter.

Dass ich den dann tatsächlich gewonnen habe und dadurch beim Arena Verlag gelandet bin, habe ich erstmal selbst gar nicht fassen können. Der Tag in Kassel hat für mich in der Notaufnahme begonnen, nachdem mein Mann in unserer Unterkunft die Treppe runtergefallen und sich übel den Fuß verletzt hatte, und ich habe den Tag damit verbracht, von einem emotionalen Extrem ins nächste zu schwanken. Erst irgendwann am nächsten Tag habe ich das dann langsam realisieren können. Deswegen habe ich auch auf der Bühne gestanden wie ein aufgescheuchtes Huhn und am ganzen Körper gezittert vor Aufregung – normalerweise bin ich eine souveräne Rampensau, aber normalerweise gewinne ich auch keine Literaturpreise.

 

Swapnix: Dein Buch wurde wunderschön durch Laura Rosedorfer illustriert, wie kann ich mir die Zusammenarbeit vorstellen? Wusstest du vorher welche Szenen du illustriert haben wolltest und wolltest du bestimmte dinge besonders hervorgehoben haben, auf den Bildern?

Maja:   Die Illustrationen hat Laura Rosendorfer im Alleingang gemacht, nachdem sie vom Verlag beauftragt worden ist, und ich könnte nicht glücklicher sein damit, wie sie mein Buch umgesetzt hat. Da sind so viele kleine Details aus meinem Buch umgesetzt worden – ich habe das Cover bekommen und konnte mich nicht sattsehen daran, und dann habe ich händeringend auf meine Korrekturfahnen gewartet, wo ich dann erstmals die Innenillustrationen gesehen habe.

Beim Cover hatte ich einen winzigen Änderungsvorschlag: Da gibt es eine Szene, in der die Kinder in Mäuse verwandelt werden, und ich hatte dann angeregt, dass zwei Mäuse auf dem Cover die Farben tauschen, weil Prinzessin Violola mit dem Rehgeweih Schwarz ist und ich fand, dass dann die dunkelgraue Maus besser zu ihr passt als die hellgraue. Aber das war alles, den Rest hat sie komplett in Eigenregie umgesetzt.

Tatsächlich war auch Laura Rosendorfer letztes Jahr beim Vielfalter dabei – sie war als Illustratorin von „Als Ela das All eroberte“ nominiert in der Bilderbuch-Kategorie. Und wahrscheinlich bin ich ihr auch auf der Preisverleihung begegnet, aber an dem Tag war ich dermaßen durch den Wind, und es waren so viele Leute da, dass ich das nicht mehr so genau sagen kann.

 

Swapnix: Was würdest du dir für dein neues Buch wünschen?

Maja: Als allererstes wünsche ich dem Buch Erfolg. Ich bin niemand, der die gewaltigen Bestseller landet, ich bin froh, wenn ich meinen Vorschuss einspiele, und mit jedem neuen Buch geht das Bibbern los, ob es wohl gut genug ankommt.

Gerade bei diesem Buch, mit dem ich Menschen erreichen und bewegen will, ist mir das nochmal so wichtig. Es geht darum, den Kindern eine Stimme zu geben und auch um das Thema Identität, das mir persönlich sehr wichtig ist. Da habe ich, in einer Nebenrolle, die Prinzessin Valisandra, die transgender ist – ich bin selbst im Trans-Spektrum, und ich wollte eine Figur einbauen, die einfach so, wie sie ist, akzeptiert wird. Und an der Stelle habe ich jetzt tatsächlich Angst, dass sich an dieser Figur die Leute hochziehen werden, gerade weil ich da kein großes Ding draus gemacht habe und Valisandra einfach sie selbst sein lasse – ihr Problem ist nicht ihr Gender, sondern dass ihr die böse Fee ein paar Eselsohren angeflucht hat.

Ich hoffe auch, dass Kinder (oder gerne auch Erwachsene), die selbst von einem vermeintlichen Makel, einer Behinderung oder anderen Einschränkungen betroffen sind, die Geschichte lesen und sich selbst darin wiederfinden – vor allem in der Tatsache, dass sie nicht repariert gehören, sondern so, wie sie sind, Respekt und Anerkennung verdienen.

Was ich insgeheim von diesem Buch erhoffe, ist, dass es sich so gut verkauft, dass ich eine Fortsetzung schreiben und veröffentlichen darf, denn irgendwie denke ich, dass Floradoras Geschichte noch nicht auserzählt ist. Da hatte meine Lektorin ein paar Ideen und Anregungen, die in diesem Buch einfach keinen Platz mehr gefunden haben, aber einen zweiten Blick sicher wert sind. Denn es stimmt, in diesem Band hat Floradora kaum Kontakt zu normalen Leuten, sondern ist von Prinzessinnen und Prinzen umgeben – sie verdient es, auch mal das Leben außerhalb des Hochadels zu erleben. Und es sind noch so viele tolle Märchen übrig, die es nicht ins Buch geschafft haben!

 

Swapnix: Abschließend würde ich dich bitten, ein paar Worte zur aktuellen Lage auf dem Buchmarkt zu sagen. Was sind Kritikpunkte, was läuft deiner Meinung nach Gut und was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Maja:   Ich habe das Gefühl, wir befinden uns da gerade an einem Kipppunkt und sind schon dabei, in die falsche Richtung abzurutschen. Da kommt gerade so viel zusammen – angefangen mit KI-Slop, der insbesondere im Kinderbuch den Markt flutet und, das ist das eigentlich Erschreckende, auch gekauft wird. Ich nutze kaum noch soziale Medien, weil meine Timeline mit entsprechenden Buchanzeigen zugemüllt wird und ich das wirklich nicht mehr sehen mag – lieb- und lebloser Dreck mit austauschbaren Titeln und Covern, für den, neben zahlreichen anderen, auch meine eigenen Bücher piratisiert und ausgeschlachtet worden sind.

Ein weiterer Trend, den ich im Jugendbuch gerade in der Stadtbücherei sehr deutlich sehe, ist, dass sich das, was gelesen wird, zunehmend auf eine Handvoll endlose Reihen konzentriert. Das sind nicht per se schlechte Bücher, da ist gutes wie weniger Gutes dabei, aber wer versucht, eine Geschichte in einem oder zwei Bänden zu erzählen, hat es zunehmend schwerer, dafür einen Markt zu finden. Die Verlage pushen ihre Reihen natürlich entsprechend, sie wären wahrscheinlich blöd wenn nicht, und damit können sie es sich leisten, dann auch Bücher wie meine zu machen – aber wenn selbst in der Bücherei, wo die Kinder keiner Werbung ausgesetzt sind und die volle Auswahl haben, gefühlt neunzig Prozent der Ausleihen auf die immergleichen Reihen entfallen, dann sehe ich doch ein bisschen schwarz für die Zukunft der literarischen Vielfalt auf dem Buchmarkt.

Natürlich, eine Reihe verspricht Sicherheit: Man muss sich nicht auf neue Figuren oder Geschichten einlassen, sondern bekommt genau das, womit man rechnet. Und ich sehe da bei den Kindern ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit in einer Welt, die vor ihren Augen auseinander bricht, und dann kann ich verstehen, warum diese Reihen so erfolgreich sind. Aber persönlich wünsche ich mir auf Seiten der Leser:innen ein bisschen mehr Wagemut, auch mal über den Tellerrand zu blicken und, es kann ja ruhig innerhalb des Lieblingsgenres sein, auch mal was anderes zu lesen. Denn wenn sich wirklich nur noch die Reihentitel verkaufen, werden die Verlage da früher oder später ihre Konsequenzen draus ziehen.

Wenn ich die Wahl habe, entweder gar nichts mehr zu veröffentlichen oder auf Jahre nur noch Floradora-Bände zu schreiben … Ich liebe mein Märchen, ich will gern eine Fortsetzung dazu schreiben oder vielleicht auch zwei, aber ich habe noch so viele andere Geschichten, die ich erzählen will, und nur so-und-so-viel Zeit, das zu tun, gerade weil ich nebenbei auch noch Geld verdienen muss. Insofern ist das eine Entwicklung, die ich mit großer Sorge sehe.

Dass dazu auch noch die Lesefähigkeit der Kinder stetig nachlässt, dass der aktuellen IGLU-Studie zufolge jedes vierte Kind beim Ende der Grundschule nicht sinnentnehmend lesen kann, ist noch so ein besorgniserregender Aspekt. Das ist einer der Punkte, an denen ich gerade in meiner Arbeit als Bibliothekarin arbeite: Leseförderung, Medienkompetenz, Freude an Geschichten zurückbringen … Da wird zurzeit viel versucht, in Schulen und bei den außerschulischen Einrichtungen wie Bibliotheken, aber viele Eltern ziehen da einfach nicht mit, lesen selbst ihren Kindergartenkindern nicht mehr vor, und es fühlt sich ein bisschen an, als würde man gegen Windmühlen rennen.

Also, viele offene Baustellen, viele erschreckende Trends – wir werden sehen, wo uns das hinführt, und wo ich selbst in ein paar Jahren beruflich stehen werde.

 

 

Swapnix: Liebe Maja, ich danke dir sehr herzlich für diesen spannenden Einblick in dein Schreiben und die Entstehung deines neuesten Buches! Möge Floradora und ihre Bande viele Lesende begeistern!

Maja: Ich habe zu danken! Ich folge deinem Blog jetzt seit so vielen Jahren, mit dem Interview geht ein echter Herzenswunsch in Erfüllung. Danke für dein Engagement – per Blog, Social Media, und natürlich auch in der Bücherei!

 

 #AutorInnenvorstellung  

#Buchvorstellung 

#Buchrelease  

#Vielfalterpreis

 

(Quelle Fotos: @sabrinakriwo )


22 April 2026

Buchvorstellung TICK MICH DOCH von Tanja Lieberman


 

 
 
 

Nach dem ich euch die Autorin Tanja Lieberman in einem Interview so ausführlich vorgestellt habe möchte ich euch noch kurz schreiben, worum es in ihrem Buch Tick Mich Doch geht:

Manchmal ist das Leben ein einziges Tourette – chaotisch, laut und unkontrollierbar.

Simon nennt das Tourette-Syndrom seine goldene $#!T!-Karte. Es begleitet ihn seit seiner Kindheit, und an der Uni macht es ihn zur Zielscheibe für bitteren Spott. Nur sein bester Freund Marco steht immer hinter ihm. Zum Glück. Denn als Lovisa in sein Leben stolpert, gerät alles aus dem Gleichgewicht – auf die schönstmögliche Art. Sie sieht mehr in ihm als nur seine Tics. Sie sieht ihn.
Zum ersten Mal glaubt Simon daran, liebenswert zu sein.
Doch auf einmal taucht seine Mutter wieder auf, die Frau, die ihn wegen seiner Tics verlassen hat. In Simon tobt ein Sturm. Alte Wunden brechen auf. Neue Zweifel nagen. Und plötzlich steht alles auf dem Spiel: seine Liebe, sein Selbstwert und seine Zukunft.

Ein ehrlicher, berührender Roman über Anderssein, Freundschaft und die große Liebe.

Ich hatte das Glück, das Buch bei @whoireallyam_katjaswelt zu gewinnen und bin schon sehr gespannt auf die Lektüre.
 

(Quelle Foto: Sabrina Siebert, Quelle Klappentext: @tick.mich.doch)

Interview mit Tanja Lieberman zu ihrem Buch Tick mich doch


 

 

 


 

Grüßt euch, heute möchte ich euch gern Tanja Lieberman und ihr Buch Tick mich doch vorstellen. Sie war so nett mir Rede und Antwort zu stehen und heraus kam ein spannendes Interview.

 

Swapnix: Grüß dich Tanja, bitte stell dich kurz einmal vor, wer bist du und was tust du, wenn du nicht schreibst?

Tanja: Ein herzliches „Grüß Gott“ in die Runde und vielen Dank, dass ich mich hier vorstellen darf. Ich bin Tanja. Was ich mag: Wald, Berge, Meer, Schokolade und Blumen.  Was ich nicht mag: Respektlosigkeit, Streit, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Pilze und Kochen. Ich bin Vielleserin und seit geraumer Zeit leider wenig-schreibende Autorin, da ich mich aus einer Krankheit kämpfe. Ereignisse, die mich beschäftigen, halte ich in Stichpunkten fest und nicht selten wird eine Geschichte daraus.

 

Swapnix: Worum geht es in deinem Buch ?

Tanja: Das Hauptthema ist das Tourette-Syndrom, mit dem mein Protagonist Simon klarkommen muss, dem der sich ausgeliefert fühlt und gegen das täglich ankämpft. Eine tragende Rolle spielt auch die Freundschaft zu Marco, der mit großer Selbstverständlichkeit immer zu Simon hält. Sowie die Beziehung zu seinem liebe- und verständnisvollen Vater. Trotzdem verliert er sich in Selbstzweifeln. Bis die Liebe zu Lovisa, viel in Simon verändert. Lovisa reduziert ihn nicht auf seine Tics, sondern nimmt ihn mit allem, was ihn ausmacht. Ihre Liebe ist wie ein Licht, das sich langsam ausbreitet.
Ich würde „Tick mich doch“ nicht Entwicklungsdrama nennen, wenn nicht eine fette Tragödie Simons gerade gewonnenes Selbstbewusstsein und seine Liebe zu zerstören droht.

 

Swapnix: Warum war es dir ein Anliegen, es zu schreiben?

Tanja: Wahrscheinlich wollte ich mir einerseits von der Seele schreiben, was ich im Laufe der Jahre mit Menschen mit Tourette erlebt habe. Auf der anderen Seite ist es mir eine Herzenssache, über das Tourette-Syndrom zu informieren und damit meinen Teil zum Verständnis für Tic-Erkrankungen beizutragen. Dazu habe ich mich für eine fiktive Geschichte entschieden, in die ich viele Fakten eingebaut habe.

 

Swapnix: Wie hast du für das Buch recherchiert? Hast du Menschen mit Tourette-Syndrom in deinem Familien- und Freundeskreis? 

Tanja: Es gibt einen Menschen im näheren Umfeld, der mit Tourette lebt und die Recherche zog sich über viele Jahre. Für meinen Roman habe ich über ein paar Fakten nachrecherchiert. Die Beschreibung der Tics beruht hauptsächlich auf Beobachtungen, ein paar habe ich aus dramaturgischen Gründen erfunden.

 

Swapnix: wie ging es dir dabei, als Du Simons Geschichte und Symptome schriebst?

Tanja: Natürlich sind viele Gefühle und Erinnerungen hochgekommen und es war ein sehr intensiver Schreibprozess. Überwiegend hat es mir aber Spaß gemacht, eine Figur zu entwickeln, die ich auf eine klassische Heldenreise schicken konnte. Da ich bewusst keinen Erfahrungsbericht, sondern einen Roman geschrieben habe, konnte ich mich meist in meiner Fantasie verlieren.

 

Swapnix: Hattest du eine spezielle Intention beim Schreiben und Veröffentlichen des Buches?

Tanja: Am Anfang war die Idee, ein Buch über Tourette zu schreiben. Als ich begann, die Storyline und erste Kapitel zu entwerfen, wuchs in mir ein mächtiger Drang mit der Geschichte nicht „nur“ unterhalten. Ich dachte, je mehr Menschen ich erreiche, desto mehr kann ich für das Thema sensibilisieren und hoffentlich dazu beitragen, ein paar Betroffenen das Leben in der Gesellschaft zu erleichtern.

 

Swapnix: Gibt es aus deiner Erfahrung heraus etwas, wie wir Betroffene unterstützen können?

Tanja: Ja, auf jeden Fall. Wenn ihr einmal einem Menschen mit Tics begegnet, fände ich es freundlich, das Gespräch mit ihm zu suchen, anstatt ihn anzustarren, über ihn zu lachen oder ihn gar zu beschimpfen. Es gibt auch verschiedene Vereine, die ihr mit einer Mitgliedschaft unterstützen könnt.

 

Swapnix: Wird es die Möglichkeit geben, dich einmal zu Treffen oder Lesen zu hören? Wo und wann wäre das?

Tanja: Leider kann ich noch keine Lesungen oder eine Teilnahme an Messen planen, da ich erst gesundheitlich wieder auf die Beine kommen muss. Aber ich hoffe, dass ich in absehbarer Zeit wieder dazu in der Lage sein werde.

 

Swapnix: Und schlussendlich wüsste ich gern, ob du mittlerweile an deinem nächsten Projekt arbeitest und wenn ja, worum wird es da gehen?

Tanja: Momentan überarbeite ich ein paar Kurzgeschichten. Ich habe zwar eine grobe Skizze für einen neuen Roman im Kopf, jedoch noch nichts Spruchreifes.

 

Swapnix: Liebe Tanja, ich danke dir für das spannende Gespräch und wünsche dir und deinem Buch viele begeisterte Lesende.

 

 

(Quelle Foto: Tanka Lieberman)