10 Februar 2026

Interview Benjamin Schmidt und seinem neuen Buch" Das geht nicht gut aus" erschienen in der Edition Outbird


 

 


 

Grüßt euch, heute habe ich Benjamin Schmidt, Autor und Musiker, zu Gast. Im letzten Herbst ist sein neuestes Buch „Das geht nicht gut aus“ in der Edition Outbird erschienen.

Swapnix: Hallo Benjamin, würdest du dich bitte den Lesenden vorstellen? Wer bist du und wie viele? 

Benjamin: Hallo liebe Lesende, ich bin ich, Singular, was als gut verträgliches Vorkommen meiner Person gewertet werden kann. Sehr erfreut.

 

Swapnix: Wenn ich lese, dass du Musiker bist, dann stellt sich für mich die Frage, in welche musikalische Richtung du Musik machst und in welchen Bands bzw. Projekten?

Benjamin: Okay, also aktuell hauptsächlich als Gitarrist bei den Gruftschlampen (Deathrock/Darkwave/Punk) und Begleitsänger bei Umbra et Imago (Gothic-Rock/Metal). Hin und wieder gibt es ein paar Ausbrüche mit Spinne am Abend oder Typ Typ, derzeit schreibe ich auch an einem Soundtrack. Das sind aber alles sehr vielseitige Tätigkeitsfelder, die sich schwer in irgendwelche Genres einordnen lassen.

 

Swapnix: würdest du sagen, deine Musik beeinflusst deine Schreiben oder ist es eher umgekehrt?

Benjamin: Weder noch. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

 

Swapnix: Wenden wir uns mal deiner Autorentätigkeit zu: In welchen Genres bist du zu finden oder lässt sich das gar nicht so eingrenzen?

Benjamin: Ich würde sagen Belletristik. Gegenwartsliteratur. Genres interessieren mich nicht so sehr, aber Tristan Rosenkranz (mein Verleger) meinte kürzlich in einem Interview meine Bücher seien eine Neudefinition von Popkultur (oder so ähnlich). Damit kann ich im Grunde auch gut leben.

 

Swapnix: Welche Bücher von dir sind bisher erschienen und wie genau ist deine Verbindung zur Edition Outbird?

Benjamin: Welche Bücher kann ich so spontan gar nicht aufzählen, unter Outbird sind es bereits sieben. Da war von Lyrik über Kurzgeschichten bis zu den beiden letzten Romanen „Mein Mann von unter der Brücke“ und eben „Das geht nicht gut aus“ alles dabei. Und das ist auch schon meine Verbindung zu Outbird. Meine Bücher werden dort verlegt und ich fühle mich damit, inmitten vieler ebenfalls dort publizierenden Menschen, die oft auch verlagsunabhängig zu meinem Freundeskreis gehören, sehr wohl. Außerdem unterstütze ich den Verlag in meiner Funktion als Grafiker. Das hat sich irgendwann so ergeben.

 

Swapnix: Im Herbst 2025 ist „Das geht nicht gut aus“ erschienen, worum geht es darin?

Benjamin: Oh nein, eine Klappentextfrage! Ach, weißt du, es erstmal um Liebe, um Emanzipation und Aufopferung, um Selbstfindung und wo man sich selbst eigentlich suchen soll. Zwei Menschen lieben sich, ein dritter kommt hinzu, ein vierter, ein fünfter und alles wird immer komplizierter, tragischer, aber auch ulkiger. Einfach ein Drama das alles.

 

Swapnix: Für wen ist das Buch geeignet und gibt es etwas Bestimmtes, was Du damit transportieren möchtest? Oder sind deine Bücher eher als „reine Unterhaltung“  gedacht?

Benjamin: Das Buch ist erstmal für jeden geeignet. Ich habe erst kürzlich eine sehr schöne Rückmeldung bekommen von zwei Menschen, die es wohl gemeinsam gelesen haben. Sie hätten dabei viel gelacht und sich zu Gesprächen und Gedankenspielereien anregen lassen. Das ist das, was ich transportieren möchte. Eine konkrete Botschaft gibt es nicht, aber ich denke, dass das, was ich mache, für viele dennoch über bloße Bespaßung hinaus geht.

 

Swapnix: Nun feiert die Edition Outbird ja 2026 ihr zehnjähriges Jubiläum. Wie lange begleitest Du den Verlag mittlerweile und welche Entwicklungen und wichtige Ereignisse gab es innerhalb dieser Jahre?

Benjamin: Ich schätze, ich bin nun seit ungefähr acht Jahren ein Teil von Outbird. In dieser Zeit gab es einige sehr schöne Zusammenarbeiten und Neuentdeckungen. Die Veröffentlichung von „Das geht nicht gut aus“, das Verlagstreffen in Bochum und die überaus bereichernde Veranstaltung zum Totensonntag in Leipzig waren wohl die drei für mich persönlich wichtigsten bzw. schönsten Ereignisse in diesem Jahr. Aber auch die Gestaltung der Bücher meiner Kollegen und Kolleginnen ist immer wieder eine tolle Sache. Wir sind ein ganz herrlicher, bunter, kreativer Haufen, da passiert viel.

 

Swapnix: Gibt es etwas, was Du dem Verleger Tristan Rosenkranz sagen oder wünschen möchtest?

Benjamin: Oh, da gäbe es so einiges, was er sich noch anhören muss, haha! Aber grundsätzlich erstmal danke, danke, danke, bleib gesund, viel Erfolg und entspann dich mal.

 

Swapnix: Lieber Benjamin, es war schön dich näher kennen zu lernen, vielen Dank für das spannende Gespräch und weiterhin viele begeisterte Lesende deiner Bücher. Wir sehen uns am 21. 03. 2026 in der Heilandskirche Plagwitz zum Literarischen Jubiläumssalon zur Leipziger Buchmesse.

(Quelle Grafik: Edition Outbird)

 

 

05 Februar 2026

Rezension zu Sommer im Heckenrosental von Florentiene Joop, erschienen in der Edition Outbird


 

 

 
 

 

#Rezension #rezensionexemplar

In ihrem Roman erzählt Florentine auf teils humorvolle, teils ernste Weise, von ihrer Kindheit und Jugend in zwei Welten. Einerseits dem Leben im Hamburger Nobelviertel, der Eliteschule in welche sie, als unruhiges kreatives neurodivergentes Kind nicht so recht passte und andererseits von den Ferien bei ihrer Potsdamer Verwandtschaft. Hier konnte sie das wilde Kind sein das sie wirklich war, konnte von morgens bis abends mit ihrer Freundin Katja, draußen Abenteuer erleben, durch die Natur stromern, Dinge kennenlernen, die es so in der Großstadt nicht gab. Hier lernte sie auch mal mutig zu sein, neues auszuprobieren und einfach die Zeit genießen. 

Anfangs kommen ihre Eltern und ihre Schwester in den Erzählungen kaum vor, doch nach und nach, anfangs zwischen den Zeilen, später auch sehr deutlich, können wir als Lesende die Streitereien der Eltern wahrnehmen, die Verzweiflung der Mutter, wenn sich ihr Kind nach nur 2 Minuten wieder so schmutzig gemacht hatte, dass sie wieder umgezogen werden musste. Lesen wir, dass der Vater oft nicht da war, herumreiste oder bis in die Nacht hinein arbeitete. Dann kommt es zur Trennung der Eltern, Florentine Joop schildert sehr eindrücklich, das Gefühl nirgens wirklich hinzu gehören, das Gefühl bei keinem der Elternteile erwünscht zu sein. 

 
Wir erfahren von den Strapazen der Grenzübergänge, wenn die Familie mal wieder die Verwandtschaft besuchte, von der Angst den Strafen und Beschimpfungen der GrenzbeamtInnen ausgesetzt zu sein. Aber auch wie sie so manche Dinge über die Grenze schmuggelten.
Spannend fand ich ihr Erleben der friedlichen Revolution und der Grenzöffnung, wie zwar die äußeren Mauern eingerissen waren, dafür aber umso mehr in den Köpfen entstanden.
Die humorvolle Erzählweise hat mich sehr bewegt, oft saß ich lesend und lachend oder schmunzelnd da. Die Eindrücklichkeit ihrer Worte hat mich tief bewegt.

Und so kann ich ganz klar sagen, dass Sommer im Heckenrosental mein erstes Lesehighlight 2026 war, und dass, ob wohl das Buch so gar nicht dem entspricht,was ich sonst zu lesen pflege.

#Lesehighligt26
#Blogtour
#SommerimHeckenrosental  

(Quelle Grafik: Edition Outbird)  

Beitrag zur Blogtour Florentine Joop, Sommer im Heckenrosental- vom Leben in zwei Heimaten zur Heimatlosigkeit


 

 
 


 

In Sommer im Heckenrosental, dem autofiktionalen Roman Florentine Joops, erzählt sie von den Sommerferien, welche sie oft in Potsdam bei ihrer Tante verbrachte.

Sie schreibt über die Unbeschwertheit der Abenteuer, welche sie mit ihrer Freundin „Katja“ erlebte. Vom Dreckigmachen binnen kürzerer Zeit, aufgeschlagenen Knien, den Streitereien mit dem älteren Bruder Katjas und dessen Freunden, vom Angeln und den vielen Dingen, die sie, als aus Hamburg stammendes Kind, einfach nicht kannte.

Florentine erzählt aber auch, von der Rückkehr nach Hamburg, in ihre Eliteschule, wo die Kinder sie schräg anschauten, ob des berliner Akzentes, welcher ihr nach der Zeit in Potsdam jedes Mal wieder herausrutschte, davon, dass sie sich nicht traute, von ihren wilden Abenteuern zu erzählen, aus Angst, ihre Erzählungen würden sie, noch mehr zur Außenseiterin machen, als sie bereits war.

Auf meine Frage hin, ob das für sie als Kind nicht sehr schwierig war, in zwei so unterschiedlichen Welten zu Hause zu sein, antwortete sie mir, dass sie es auch als sehr spannend empfunden habe.

 

Doch im weiteren Verlauf des Buches spüren wir erst nur ganz sanft, zwischen den Zeilen, dann immer massiver, wie diese Heimaten zu zerfallen beginnen.

Die vielen Streitereien der Eltern, die sie zuhause den Kopf einziehen ließen, um bloß keinen weiteren Streit der Eltern auszulösen, die Stimmungsschwankungen, nie zu wissen, wie sind Vater und Mutter drauf… All das führte dazu, dass das Kind Florentine, nach und nach nicht mehr wusste, wo es eigentlich hin gehörte.

Als die Eltern sich schlussendlich komplett trennten, wechselte sie zunächst in Hamburg zwischen den Elternteilen hin und Her. Nie wissend ob der jeweilige Elternteil tatsächlich mit ihr rechnete, die Tür öffnen oder sie gar abweisen würde. Dazu wurden die Besuch der Potsdamer Verwandtschaft, die unbeschwerten Sommer immer seltener, Florentine wurde immer unsicherer, durfte sie die Tante des Vater besuchen, wenn sie doch gerade bei ihrer Mutter war?

Immer intensiver lässt uns Florentine ihre Einsamkeit und ihre Verzweiflung über den Verlust der Heimat spüren, die Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit in den Sommern, welche sie bei ihrer Tante verbringen durfte. Die Beziehung zu ihrer Schwester beschreibt sie als kaum vorhanden, zu unterschiedlich sind die Geschwister, zu sehr ist die große Schwester damit beschäftigt, ihre Mutter aufzufangen, zu trösten und aufzubauen, dass ihr ( der Schwester) die Kraft und Energie fehlt, sich um die kleine Schwester zu kümmern.

Und so steht Florentine so manche Nacht in einem Berliner Hotel, direkt an der Mauer, am Fenster, die Mutter mit ihrem neuen Partner im Nebenzimmer, mit dem sie sich nur heimlich treffen kann. Statt in die geliebte potsdammer Heimat, reisen sie nun kreuz und Quer durch Ostberlin um nicht von der Stasi erwischt zu werden.

Mich haben diese Zeilen zu tiefst berührt, entsetzt und traurig gemacht. Die anfängliche Leichtigkeit der Erzählweise Florentines, ist verloren gegangen, die Realität ihrer Jugend ist hart. Immerhin hat sie in Hamburg mittlerweile Freunde gefunden, was mich beim Lesen sehr erleichtert hat.

 

Dann kommt 1989 die Öffnung der Grenzen, ihre Hoffnung, die Besuche bei der Verwandtschaft in Potsdam würden jetzt wieder häufiger, erfüllten sich nicht, die Freundschaft zu „Katja“ verlief im Sande. Plötzlich waren da Grenzen in den Köpfen der Menschen, sie teilten sich in Ossi und Wessi ein, man beäugte sich, statt sich zu freuen, die gemeinsame Zeit unbeschwerter genießen und sich sogar besuchen zu können.

 

Warum hat mich gerade der Teil des Buches so sehr bewegt, als Florentine diese Heimatlosigkeit erlebte, die Trennung der Eltern immer deutlicher wurde?

Sie hat in mir Erinnerungen geweckt, an die Trennung meiner Eltern, an das spüren, hier zerbricht etwas, was ich immer als selbstverständlich hin genommen habe, die innere Zerrissenheit, wo ich jetzt hin gehöre, dabei war es bei mir, im Gegensatz zum erleben Florentines, sehr schnell klar. Auch das Bewusstsein und die Dankbarkeit dafür, wie aufgehoben ich mich trotzdem habe fühlen können, haben ihre Zeilen in mir geweckt.

Mittlerweile hat Florentine Joop ihre Heimat (wieder)gefunden. Sie lebt in Potsdam im Haus ihrer Tante, gemeinsam mit ihrer Patchwork Familie. 

 

#sommerimheckenrosental
#Blogtour
#EditionOutbird

(Quelle Grafik: @edition_outbird )