heute möchte ich euch
den Fantasyautor Horus W. Odenthal und seine „Der Pfad des Magiers“-Reihe
vorstellen. Dafür hatte ich das Vergnügen, ihn mit Fragen zu löchern.
Swapnix: Herzlich willkommen,
Horus, in der Bücherschatztruhe. Schön, dass du da bist. Bitte stell dich den
Lesenden vor. Wer bist du, wie viele, und was machst du, wenn du nicht gerade
schreibst?
Horus: Also eigentlich bin
ich …
Klappe, wer hat dich
denn eigentlich gefragt?
… Hey, was fällt denn
dir ein, mich einfach so …
Hallo? Ihr beiden?
Kriegt ihr euch mal wieder ein? Vor allem lasst uns andere auch mal bitte zu
Wort kommen. Und lasst die Kleinen nach vorne, damit sie was sehen können.
Können wir uns bitte
darauf einigen, dass ich dieses Interview führe? Und dass ihr eure Vorschläge
schriftlich einreichen dürft? In doppelter Ausführung? … Danke.
Also … Wow, hat ja
geklappt … Alles still da hinten.
Also, ich bin Horus W.
Odenthal, und wir sind eigentlich nur zwei: ich, Horus, der Autor, und Herr
Odenthal, mein Verleger. Eigentlich ist er ein ganz umgänglicher Kerl, aber
manchmal redet er mir rein und meint dann so Zeug wie, das wäre eine totale
Schwachsinnsidee, die er niemandem verkaufen kann und die auch niemand lesen
will. Ich glaube ihm kein Wort und beschließe trotzdem, es irgendwann zu
schreiben, höre aber erst mal auf ihn. Weil der Kühlschrank schließlich voll
sein und die Miete bezahlt werden muss. Oder so.
Also ich, Horus, war
früher Comiczeichner und Autor und habe in Deutschland und den USA
veröffentlicht. Ich habe eigentlich immer kreatives Zeug gemacht und hatte
immer mit Kunst in jeglicher Form zu tun. Hey, I’m an art-bitch! Irgendwann
wurde mir das Medium Comic und vor allem der Markt oder eher die Publikationsmöglichkeiten
dafür zu eng. Außerdem hatte ich mehr Ideen, als ich zeichnen konnte. Story und
Skizzen waren schnell gemacht, und damit war das Erzählen so ziemlich vorbei,
und alles musste nur noch visuell umgesetzt werden. Und währenddessen sammelten
sich die Ideen in meinem Kopf. Ich habe ein bisschen gezögert, weil ich wenig
Lust hatte, die Ochsentour noch einmal von Anfang an zu machen und in einem
komplett anderen Medium anzufangen. Aber als ich dann mal so ein bisschen zur
Probe geschrieben habe, war die Sache eigentlich für mich klar, und ich hatte
meine Leidenschaft gefunden.
Seitdem schreibe ich
Fantasyromane. Na ja, erst mal mit ein bisschen Orientierung, was die Genres
betraf.
Wenn ich nicht gerade
schreibe, lese ich, schaue Filme und Serien und versuche, in unserem
durchgeknallten Zirkus von Familie irgendwie obenauf zu bleiben. Leider doch
mein Zirkus, doch meine Affen.
Swapnix: Für welches Lesealter
schreibst du, und in welchem Genre bewegst du dich?
Horus: Alter ist ein sehr
relatives Konzept. Auch, was das Lesen betrifft. Tochter G. liest seit
Verlassen der Grundschule so Sachen wie Lewis Carroll im Original und hat sich
hochgesteigert zur Arthouse-Bitch des Literaturzirkels. Ich habe in ihrem Alter
wild James Joyce, Alfred Döblin, Conan der Barbar, Wüstenplanet und Konsorten
durcheinandergelesen, ohne mich um E oder U zu scheren. Manchen macht im hohen
Alter noch Harry Potter große Freude. Alles ist gut. Jeder soll so machen, wie
es ihm gefällt, und das mit dem Alter spielt eher eine untergeordnete Rolle.
Das heißt, es geht
eher um Leseerfahrung, Lesegeschichte und Vorlieben.
Ich richte meine
Erzähl-Räume zugänglich für alle ein, aber ein bisschen Leseerfahrung sollte
man schon mitbringen, weil ich oft mit gängigen Erzählweisen und
Erwartungshaltungen spiele. Nicht immer bewusst, aber es passiert halt.
Man muss sehen, wer
sich in meinem Haus und meinen Räumen wohlfühlt. Es müssen nicht alle sein. Es
muss nicht jedem alles gefallen. Manchen gefällt auf Anhieb nicht der Einrichtungsstil
meiner Räume, aber für die, die erst mal bleiben oder sich sogar vom ersten
Moment an richtig wohlfühlen, stehen in allen möglichen Ecken Teller mit
Plätzchen bereit, die es zu entdecken gilt. Und man findet immer neue Fenster,
durch die man Landschaften sieht, die man von draußen gar nicht vermutet hätte.
Das heißt im Großen
und Ganzen: Ich schreibe für alle, die neugierig sind und sich gerne
überraschen lassen, die in Altbekanntem etwas bisher Unbekanntes, neue Aspekte
finden möchten, Ansichten, die ihnen bisher unbekannt waren.
Ich versuche, Leser
dort abzuholen, wo sie sich jetzt schon gerne aufhalten und auskennen, und
versuche dann, sie von dort aus auf Pfade zu locken, auf denen sie an Orte
gelangen, von denen sie bisher gar nicht wussten, dass sie dort hinwollten und
dass sie hier Dinge finden, die sie unbewusst vielleicht immer schon gesucht
haben.
Und ich schreibe so,
dass möglichst viele Arten von Leuten etwas darin finden können. Alles soll
unterhaltsame und spannende Geschichte sein. Aber darunter gibt es andere
Ebenen. In die kann man sich hineintasten, wenn man mag – oder auch nicht.
Das Genre, in dem ich
schreibe, zu bestimmen, ist relativ einfach. Ich schreibe epische Fantasy. Mit
den Themen und dem gleichen Sense of Wonder ähnlicher Welten wie denen der
Vorbilder in diesem Genre, aber mit einem moderneren Ansatz. Die Geschichten
und die Menschen sollen weniger mythisch, sondern lebensnäher sein,
realistischer, heutiger, mehr nachvollziehbar … relatable. Die Sprache soll
moderner und knackiger sein.
Ich habe mit einer
Serie aber auch schon einen Ausflug in die Urban Fantasy und Portal-Fantasy
gemacht. Ich möchte mich nur ungern vollkommen festlegen. Man soll niemals nie
sagen. Die kreativste Frage ist für mich immer noch: Warum nicht?
Swapnix: Womit hat für dich
das Schreiben angefangen? Und wie ist deine Welt Ninragon entstanden?
Horus: Ja, darüber habe ich
ja oben schon ein wenig erzählt. Ich hatte den Eindruck, dass ich mit Comics
irgendwo an ein Ende für mich gekommen bin. Bezeichnenderweise endet mein
letzter Comic mit einem Mädchen, der Heldin, die vor einer Backsteinmauer steht
und davon träumt, dass sie eines Tages hindurchgehen wird.
Am Anfang habe ich ein
bisschen mit den Genres herumexperimentiert, wollte Science-Fiction schreiben.
Vor allem, weil ich, irgendwie ab Mitte der Neunziger schon, eine totale
Fantasy-Flaute hatte. Ich konnte das Zeug einfach nicht mehr lesen.
Ich habe Bücher aus
den Regalen der Buchhandlung gezogen. Habe auf den Klappentext geschaut. Habe
irgendwas von einem Knaben der Prophezeiung gelesen und hätte das Buch am
liebsten in die Ecke gefeuert. Aber dazu hätte ich es erst mal kaufen müssen,
und dafür war mir mein Geld zu schade.
Verrückt ist, dass ich
jetzt zu diesen Themen zurückkehre, aber sie auf eine vollkommen andere Art
behandle. Mich hat einfach genervt, dass es in dieser Zeit den 25. Aufguss von
Tolkien gab, bis zum Abwinken, und nichts Neues, Kreatives dazukam. Es war
immer nur der alte mythische Bläh, der aber inzwischen inhaltlich und von der
Substanz vollkommen ausgehöhlt war. Ich hatte den Eindruck, statt mit dem Leser
zu wachsen – und da habe ich erst mal mich als Maßstab genommen –, ist das
Genre immer infantiler und naiver geworden. Vielleicht tue ich damit einigen
tollen Erzählern unrecht, aber das war mein Eindruck.
Weil zu der Zeit kein
Schwanz Science-Fiction lesen und ich nicht für mich allein schreiben wollte,
Fantasy aber groß in Mode war, habe ich mal überlegt, wie Fantasy denn aussehen
müsste, damit sie mir Spaß machen würde. Und dann habe ich munter angefangen,
mir Sachen auszudenken, Konzepte zu erfinden und eine Welt zu gestalten. Daraus
ist dann NINRAGON geworden.
Irgendwann
zwischendrin, als ich mitten in meiner ersten Trilogie war, habe ich
mitbekommen, dass es ein paar Autoren gab, denen der alte, ewig gleiche Bläh
genauso auf die Nüsse ging wie mir. Unbemerkt von mir hat es eine neue Welle
der Fantasy gegeben, die Sachen modernisiert hat und mit einem eigenen
Empfinden an die Themen herangeht. Bei Leuten wie Abercrombie habe ich mich
dann sehr wohlgefühlt und nicht mehr so ganz allein.
Swapnix: Du schreibst ja
Einzelbände, Trilogien und Reihen. Mit welchem Buch beginnen Neulesende am
besten?
Horus: Ganz klare Empfehlung:
mit dem „Pfad des Magiers“. Weil die Protagonistin mit dem gleichen
Wissensstand in die Geschichte geht wie der Leser. Sie weiß nämlich ziemlich
wenig, fast gar nichts von ihrer Welt, denn sie ist in einem verlassenen
Hinterwäldlerdorf aufgewachsen. Die Geschichte bietet außerdem einen ziemlich übersichtlichen
Einstieg, denn die ersten drei Bände bilden eine in sich ziemlich
abgeschlossene Trilogie. Danach kann man gut entscheiden, ob einem das gefällt
und ob man die Welt von Amara Schattenflügel und von NINRAGON weiter entdecken
will.
Für mich ist aber
wichtig, dass jeder Einzelband, jede Trilogie, jede Reihe für sich gelesen
werden kann, vollkommen ohne Vorwissen. Du kannst einfach einsteigen, und der
Rest erklärt sich auf dem Weg.
Swapnix: Bist du ein Plotter
oder Pantser? Führst du Charakterbögen und Zeitstrahlen, damit du, gerade bei
deinen langen Serien, nicht mit Personen und Ereignissen durcheinanderkommst?
Ich durfte ja mittlerweile schon erfahren, wie komplex deine Welt und deren
Personen sind.
Horus: Meine erste Trilogie
habe ich als Pantser geschrieben. Das würde ich aber nie wieder machen, weil
ich da auf einige Abwege geraten bin und viel Zeit verloren habe. Ich habe
viele Geschichten zu erzählen und bleibe nicht gern in einer hängen. Außerdem
kann man bestimmte komplexere Plotstrukturen nur aufbauen, wenn man von Anfang
an zumindest rudimentär geplant hat. Ich mache das wie ein Architekt: Wenn das
Gerüst einmal steht, kann kaum noch etwas schiefgehen. Dann hat man auch den
Freiraum für Improvisation und spontane Ideen. Der grundsätzliche Plot ist dann
wie ein Netz, das einen auffängt.
Einen Zeitstrahl
müsste ich viel gründlicher machen, mache ich aber nur so viel wie gerade
nötig, damit ich mit den Zeitaltern, dem Alter der Figuren und generell der
Geschichte nicht durcheinanderkomme.
Es ist schon ziemlich
wichtig, wenn die Wege von verschiedenen Personen aus meinen Geschichten sich
kreuzen, wenn zum Beispiel eine Hauptperson aus einer Geschichte als Nebenfigur
in einer anderen Geschichte vorkommt, dass dann ihr Alter stimmt. Wäre blöd,
wenn sie als Teenager dargestellt würde, obwohl sie eigentlich vom Zeitablauf
her hoch in den Vierzigern sein müsste.
Charakterbögen usw.
muss ich führen, weil ich sonst bei meinem riesigen Figurenensemble der
Gesamtwelt vollkommen durcheinanderkomme. Ich versuche, das ziemlich akribisch
zu machen, verfluche mich aber immer regelmäßig, weil ich bestimmte Sachen
nicht eingetragen habe und dafür dann in meinen eigenen Geschichten
recherchieren muss. Die Bibel meiner Storys zu führen, ist eben Arbeit, und die
nächste Geschichte ist immer interessanter als Buchführen.
Meine Bibel, die
intern bei mir „Kompendium Terra-Marani“ heißt, ist inzwischen zu recht
beachtlichen Ausmaßen angewachsen. Eine Wikipedia würde sich lohnen, aber die
einzurichten bin ich zu faul. Vielleicht macht das ja irgendwann eine KI für
mich. Dazu kann man die Büchse schließlich gut gebrauchen. Für Kunst nicht.
Swapnix: Für Ninragon hast du
ein ganz neues, sehr komplexes Magiesystem entwickelt, welches ich bisher so
noch nicht gelesen habe. Wie bist du da herangegangen?
Horus: Nein, habe ich
tatsächlich nicht.
Das kann jeder halten,
wie er will, und es ist absolut legitim und okay, wenn jemand das anders sieht,
und er oder sie kann es gerne machen, wenn er oder sie Freude daran hat – ab
und zu finde ich so etwas auch total interessant. Unter meinen Lieblingsbüchern
gibt es sogar ein paar gute Beispiele dafür … aber ich persönlich finde
Magiesysteme doof.
Das hat etwas von
Reißbrett und erweckt den Eindruck, dass man die Welt von außen betrachtet, wie
ein Spiel, sie damit aber auch ein ganzes Stück von einer Wirklichkeit abrückt,
die man ernst nimmt und für die Zeit des Erzählens als real annimmt. Ich finde,
so etwas entwertet die Welt, in der man sich entschlossen hat zu erzählen. Aber
das ist, wie gesagt, mein ganz persönliches Empfinden, und das wende ich auch
nur auf mein eigenes Schreiben so an. Autoren müssen ja in ihrer Rolle als
Autor besonders kritisch sein und bestimmte Sachen „nicht mögen“, denn das
definiert ja immerhin das, was sie selbst schreiben wollen. Das hört sich dann
immer recht kritisch und mäklerisch an, gilt aber in diesem Moment nur für den
Aspekt des eigenen Berufs, das eigene Schreiben. Wenn man davon abrückt und
sich nur als Leser betrachtet, sieht die Welt mit einem Mal ganz anders, sehr
viel toleranter und offener aus. Das Kritisieren ist allein der Tunnelblick des
Autors in seinem Beruf.
Zurück zu
Magiesystemen: Eine Welt funktioniert nicht nach sauber ausgedachten Regeln.
Das haut vielleicht auf einem Spielbrett hin. Unsere wirkliche Welt
funktioniert immerhin auch nicht nach sauberen, abtrennbaren Regeln.
Den Kern, wie ich in
meinen Büchern Magie darstelle, bildet eigentlich meine ganz reale Weltsicht,
meine Sichtweise und mein Glaube daran, wie die Welt grundsätzlich
funktioniert. Dazu habe ich mir dann vorgestellt, es gäbe Magie auf eine sehr
handgreifliche und direkte Art wirklich, und habe danach alle Regler bis zum
Anschlag hochgedreht.
Man will ja
schließlich etwas erleben, wenn man ein Buch liest.
Darauf baue ich dann
auf.
Statt einem
Magiesystem gibt in meiner Welt Magietheorien, denn jeder will natürlich
diese Mächte und Kräfte begreifen, und jede dieser Theorien sieht Magie ein
wenig – oder auch gewaltig – anders. Aber alle beziehen sich auf die gleiche
magische Realität. Und für die habe ich ein Gefühl, ein ziemlich klares sogar.
Aber keine Tabellen.
Und vielleicht
verändert sich diese magische Realität ja auch mit der Zeit und der
Betrachtungsweise. Frag mal einen Quantenphysiker danach, wie er die Realität
sieht.
Swapnix: Welche deiner Figuren
war für dich am einfachsten zu entwickeln, und welche hat sich am ehesten
gesträubt, sich von dir einfangen und auf Papier bannen zu lassen?
Horus: Hm, das ist schwierig.
Es gibt Figuren, die kann ich eher nachvollziehen als andere, aber in jedem
Protagonisten, in jeder Protagonistin, die ich gerade schreibe, bin ich
wirklich drin. Da zählt gar nicht so sehr ein Charakterbogen, sondern eher ein
Gefühl für diese Figur, wie sie sich bewegt, wie sie denkt, wie sie spricht.
In Amara konnte ich
relativ leicht reinschlüpfen. In Danak auch. Bei Erion musste ich mich manchmal
dazu zwingen, so zu empfinden wie er. Hm, ich merke gerade, dass es mir oft
deutlich einfacher fällt, in einen weiblichen Charakter als Erzählperpsektive
hereinzuschlüpfen. Das ist komisch. Manche männlichen Charaktere sind mir
einfach zu … männlich. Es wird leichter, wenn sie das auf eine ziemlich
überzogene Art sind. Zum Beispiel fallen mir trockene, lakonische männliche
Charaktere irgendwie leicht.
Auric fiel mir leicht,
dieses Grundprinzip eines intelligenten und gebildeten Barbaren. Denn ich
konnte das Gefühl gut nachempfinden, in der Umgebung, in die man hineingeboren
wurde, einfach nicht dazuzugehören.
Swapnix: Würdest du sagen,
deine Bücher sollen hauptsächlich unterhalten, oder gibt es Dinge, die du mit
ihnen transportieren möchtest?
Horus: Zuallererst einmal und
als Grundbedingung sollen sie unterhalten. Wenn ein Buch nicht unterhält, taugt
es nichts. Alles andere kommt später und kann dazukommen.
Ich versuche, meine
Bücher so zu schreiben, dass sie auf verschiedenen Ebenen funktionieren.
Jemand, der nur eine spannende und interessante Geschichte lesen will, bekommt
sie. Wenn er/sie oder jemand anderes danach mehr will, kann er/sie sich die
gleiche Geschichte unter einem anderen Blickwinkel anschauen und wird vieles
unter dem normalen Plot entdecken. Aber das muss er/sie nicht.
Ich möchte keine
Botschaft transportieren, denn wenn ich das Buch geschrieben und veröffentlicht
habe, ist es nicht mehr meins, sondern es gehört allein dem Leser. Ich habe nur
die Verpflichtung, als professioneller Lügner ihm ein so komplexes Geflecht,
ein so dichtes und ernsthaftes Tableau zur Verfügung zu stellen, dass er sich
selbst mit seinen Fragen und seiner Suche nach Antworten darin wiederfindet.
Vielleicht gebe ich ihm auch ein paar Stupser.
Eigentlich will ich
nur ganz normale menschliche Werte vermitteln, wie Mitgefühl, Toleranz, den
Wert von Freundschaft und Loyalität, Engagement für die Dinge, an die du
glaubst, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen und alles auf diesem Weg
hineinzulegen. Solche ganz normalen, banalen Dinge eben.
Swapnix: Was müssen Lesende
mitbringen, um deine Geschichten verschlingen zu können?
Horus: Neugier. Entdeckerlust.
Die Freude, bei etwas Bekanntem anzufangen und sich dann auf ein Abenteuer
einzulassen. Der grundsätzliche Wille, sich auf etwas einzulassen, auf neue
Erfahrungen, und die Bereitschaft, in etwas zu versinken: in einer Geschichte,
dem Bewusstsein einer Person, in einer fremden Welt.
Aber ist es nicht das,
warum wir eigentlich alle lesen?
Swapnix: Abschließend würde
ich gern noch zwei Dinge von dir wissen: Woran arbeitest du momentan, und
besteht die Möglichkeit, dich mal lesen zu hören, und falls ja, wo?
Horus: Nein, ich lese immer
leise.
Scherz beiseite.
Lesungen sind eigentlich nicht so meins; nicht, weil ich nicht gerne vorlese,
sondern weil ich in der Zeit, die es braucht, um solche Veranstaltungen zu
bewältigen, lieber meine nächste Geschichte schreibe. Aber vielleicht mache ich
ja demnächst ein paar Reels, in denen ich Ausschnitte aus meinen Büchern
vorlese.
Das bringt mich dazu,
woran ich momentan arbeite. Ich schreibe gerade unter Hochdruck an den letzten
beiden Bänden von „Der Ring der Elfen“. Danach werde ich erst mal eine
Ortsbestimmung machen und planen, was als Nächstes wirklich drankommt.
Ich habe schon eine
neue zehnbändige Reihe auf Lager, ich will meine Debüt-Trilogie überarbeiten,
weil ich sie damals mit einem ganz bestimmten Mindset geschrieben habe und sie
jetzt auch für eine größere Lesergruppe zugänglich machen möchte. Vor allem, da
ihre Hauptperson eine nicht ganz unwichtige Rolle in anderen Erzählungen spielt
und ihre Biografie quasi die Vorgeschichte zu den meisten meiner späteren Bücher
darstellt. Ich möchte, dass möglichst viele Leser der anderen Bücher und Reihen
die Geschichte von Auric dem Schwarzen lesen und dieses Buch auch genießen
können. Derzeit sehe ich das so, dass ich die Urfassung allen, die sie lesen
wollen oder lieb gewonnen haben, ebenfalls weiterhin zugänglich halten möchte.
Darüber hinaus habe
ich Ideen und Planungen, die mich über Jahre beschäftigen werden. Ich will
unter anderem zwei Meta-Erzählbögen schließen, einen großen … und den ganz
großen. Nach dem Letzteren haben mich schon viele gefragt und jetzt – nach
ein paar Sachen, die ich in „Ring der Elfen“ eingearbeitet habe – komme
ich nicht mehr dran vorbei, mich dem auch wirklich zu widmen.
Viel zu tun. Auf
geht’s! Labadi!
Swapnix: Oh ja das scheint mir auch so!
Lieber Horus, ich
danke dir für diese sehr spannenden Einblicke in dein Autorendasein und wünsche
dir weiterhin viele begeisterte Lesende!
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(Quelle
Bild: Horus W. Odenthal)