18 Juni 2026

Autoreninterview mit Horus W. Odenthal


 



x

                      


 




Grüßt euch ihr Lieben,
heute möchte ich euch den Fantasyautor Horus W. Odenthal und seine „Der Pfad des Magiers“-Reihe vorstellen. Dafür hatte ich das Vergnügen, ihn mit Fragen zu löchern.

Swapnix: Herzlich willkommen, Horus, in der Bücherschatztruhe. Schön, dass du da bist. Bitte stell dich den Lesenden vor. Wer bist du, wie viele, und was machst du, wenn du nicht gerade schreibst?

Horus: Also eigentlich bin ich …
Klappe, wer hat dich denn eigentlich gefragt?
… Hey, was fällt denn dir ein, mich einfach so …
Hallo? Ihr beiden? Kriegt ihr euch mal wieder ein? Vor allem lasst uns andere auch mal bitte zu Wort kommen. Und lasst die Kleinen nach vorne, damit sie was sehen können.
Können wir uns bitte darauf einigen, dass ich dieses Interview führe? Und dass ihr eure Vorschläge schriftlich einreichen dürft? In doppelter Ausführung? … Danke.
Also … Wow, hat ja geklappt … Alles still da hinten.
Also, ich bin Horus W. Odenthal, und wir sind eigentlich nur zwei: ich, Horus, der Autor, und Herr Odenthal, mein Verleger. Eigentlich ist er ein ganz umgänglicher Kerl, aber manchmal redet er mir rein und meint dann so Zeug wie, das wäre eine totale Schwachsinnsidee, die er niemandem verkaufen kann und die auch niemand lesen will. Ich glaube ihm kein Wort und beschließe trotzdem, es irgendwann zu schreiben, höre aber erst mal auf ihn. Weil der Kühlschrank schließlich voll sein und die Miete bezahlt werden muss. Oder so.
Also ich, Horus, war früher Comiczeichner und Autor und habe in Deutschland und den USA veröffentlicht. Ich habe eigentlich immer kreatives Zeug gemacht und hatte immer mit Kunst in jeglicher Form zu tun. Hey, I’m an art-bitch! Irgendwann wurde mir das Medium Comic und vor allem der Markt oder eher die Publikationsmöglichkeiten dafür zu eng. Außerdem hatte ich mehr Ideen, als ich zeichnen konnte. Story und Skizzen waren schnell gemacht, und damit war das Erzählen so ziemlich vorbei, und alles musste nur noch visuell umgesetzt werden. Und währenddessen sammelten sich die Ideen in meinem Kopf. Ich habe ein bisschen gezögert, weil ich wenig Lust hatte, die Ochsentour noch einmal von Anfang an zu machen und in einem komplett anderen Medium anzufangen. Aber als ich dann mal so ein bisschen zur Probe geschrieben habe, war die Sache eigentlich für mich klar, und ich hatte meine Leidenschaft gefunden.
Seitdem schreibe ich Fantasyromane. Na ja, erst mal mit ein bisschen Orientierung, was die Genres betraf.
Wenn ich nicht gerade schreibe, lese ich, schaue Filme und Serien und versuche, in unserem durchgeknallten Zirkus von Familie irgendwie obenauf zu bleiben. Leider doch mein Zirkus, doch meine Affen.
 
Swapnix: Für welches Lesealter schreibst du, und in welchem Genre bewegst du dich?

Horus: Alter ist ein sehr relatives Konzept. Auch, was das Lesen betrifft. Tochter G. liest seit Verlassen der Grundschule so Sachen wie Lewis Carroll im Original und hat sich hochgesteigert zur Arthouse-Bitch des Literaturzirkels. Ich habe in ihrem Alter wild James Joyce, Alfred Döblin, Conan der Barbar, Wüstenplanet und Konsorten durcheinandergelesen, ohne mich um E oder U zu scheren. Manchen macht im hohen Alter noch Harry Potter große Freude. Alles ist gut. Jeder soll so machen, wie es ihm gefällt, und das mit dem Alter spielt eher eine untergeordnete Rolle.
Das heißt, es geht eher um Leseerfahrung, Lesegeschichte und Vorlieben.
Ich richte meine Erzähl-Räume zugänglich für alle ein, aber ein bisschen Leseerfahrung sollte man schon mitbringen, weil ich oft mit gängigen Erzählweisen und Erwartungshaltungen spiele. Nicht immer bewusst, aber es passiert halt.
Man muss sehen, wer sich in meinem Haus und meinen Räumen wohlfühlt. Es müssen nicht alle sein. Es muss nicht jedem alles gefallen. Manchen gefällt auf Anhieb nicht der Einrichtungsstil meiner Räume, aber für die, die erst mal bleiben oder sich sogar vom ersten Moment an richtig wohlfühlen, stehen in allen möglichen Ecken Teller mit Plätzchen bereit, die es zu entdecken gilt. Und man findet immer neue Fenster, durch die man Landschaften sieht, die man von draußen gar nicht vermutet hätte.
Das heißt im Großen und Ganzen: Ich schreibe für alle, die neugierig sind und sich gerne überraschen lassen, die in Altbekanntem etwas bisher Unbekanntes, neue Aspekte finden möchten, Ansichten, die ihnen bisher unbekannt waren.
Ich versuche, Leser dort abzuholen, wo sie sich jetzt schon gerne aufhalten und auskennen, und versuche dann, sie von dort aus auf Pfade zu locken, auf denen sie an Orte gelangen, von denen sie bisher gar nicht wussten, dass sie dort hinwollten und dass sie hier Dinge finden, die sie unbewusst vielleicht immer schon gesucht haben.
Und ich schreibe so, dass möglichst viele Arten von Leuten etwas darin finden können. Alles soll unterhaltsame und spannende Geschichte sein. Aber darunter gibt es andere Ebenen. In die kann man sich hineintasten, wenn man mag – oder auch nicht.
Das Genre, in dem ich schreibe, zu bestimmen, ist relativ einfach. Ich schreibe epische Fantasy. Mit den Themen und dem gleichen Sense of Wonder ähnlicher Welten wie denen der Vorbilder in diesem Genre, aber mit einem moderneren Ansatz. Die Geschichten und die Menschen sollen weniger mythisch, sondern lebensnäher sein, realistischer, heutiger, mehr nachvollziehbar … relatable. Die Sprache soll moderner und knackiger sein.
Ich habe mit einer Serie aber auch schon einen Ausflug in die Urban Fantasy und Portal-Fantasy gemacht. Ich möchte mich nur ungern vollkommen festlegen. Man soll niemals nie sagen. Die kreativste Frage ist für mich immer noch: Warum nicht?

Swapnix: Womit hat für dich das Schreiben angefangen? Und wie ist deine Welt Ninragon entstanden?

Horus: Ja, darüber habe ich ja oben schon ein wenig erzählt. Ich hatte den Eindruck, dass ich mit Comics irgendwo an ein Ende für mich gekommen bin. Bezeichnenderweise endet mein letzter Comic mit einem Mädchen, der Heldin, die vor einer Backsteinmauer steht und davon träumt, dass sie eines Tages hindurchgehen wird.
Am Anfang habe ich ein bisschen mit den Genres herumexperimentiert, wollte Science-Fiction schreiben. Vor allem, weil ich, irgendwie ab Mitte der Neunziger schon, eine totale Fantasy-Flaute hatte. Ich konnte das Zeug einfach nicht mehr lesen.
Ich habe Bücher aus den Regalen der Buchhandlung gezogen. Habe auf den Klappentext geschaut. Habe irgendwas von einem Knaben der Prophezeiung gelesen und hätte das Buch am liebsten in die Ecke gefeuert. Aber dazu hätte ich es erst mal kaufen müssen, und dafür war mir mein Geld zu schade.
Verrückt ist, dass ich jetzt zu diesen Themen zurückkehre, aber sie auf eine vollkommen andere Art behandle. Mich hat einfach genervt, dass es in dieser Zeit den 25. Aufguss von Tolkien gab, bis zum Abwinken, und nichts Neues, Kreatives dazukam. Es war immer nur der alte mythische Bläh, der aber inzwischen inhaltlich und von der Substanz vollkommen ausgehöhlt war. Ich hatte den Eindruck, statt mit dem Leser zu wachsen – und da habe ich erst mal mich als Maßstab genommen –, ist das Genre immer infantiler und naiver geworden. Vielleicht tue ich damit einigen tollen Erzählern unrecht, aber das war mein Eindruck.
Weil zu der Zeit kein Schwanz Science-Fiction lesen und ich nicht für mich allein schreiben wollte, Fantasy aber groß in Mode war, habe ich mal überlegt, wie Fantasy denn aussehen müsste, damit sie mir Spaß machen würde. Und dann habe ich munter angefangen, mir Sachen auszudenken, Konzepte zu erfinden und eine Welt zu gestalten. Daraus ist dann NINRAGON geworden.
Irgendwann zwischendrin, als ich mitten in meiner ersten Trilogie war, habe ich mitbekommen, dass es ein paar Autoren gab, denen der alte, ewig gleiche Bläh genauso auf die Nüsse ging wie mir. Unbemerkt von mir hat es eine neue Welle der Fantasy gegeben, die Sachen modernisiert hat und mit einem eigenen Empfinden an die Themen herangeht. Bei Leuten wie Abercrombie habe ich mich dann sehr wohlgefühlt und nicht mehr so ganz allein.
 
Swapnix: Du schreibst ja Einzelbände, Trilogien und Reihen. Mit welchem Buch beginnen Neulesende am besten?

Horus: Ganz klare Empfehlung: mit dem „Pfad des Magiers“. Weil die Protagonistin mit dem gleichen Wissensstand in die Geschichte geht wie der Leser. Sie weiß nämlich ziemlich wenig, fast gar nichts von ihrer Welt, denn sie ist in einem verlassenen Hinterwäldlerdorf aufgewachsen. Die Geschichte bietet außerdem einen ziemlich übersichtlichen Einstieg, denn die ersten drei Bände bilden eine in sich ziemlich abgeschlossene Trilogie. Danach kann man gut entscheiden, ob einem das gefällt und ob man die Welt von Amara Schattenflügel und von NINRAGON weiter entdecken will.
Für mich ist aber wichtig, dass jeder Einzelband, jede Trilogie, jede Reihe für sich gelesen werden kann, vollkommen ohne Vorwissen. Du kannst einfach einsteigen, und der Rest erklärt sich auf dem Weg.
 
Swapnix: Bist du ein Plotter oder Pantser? Führst du Charakterbögen und Zeitstrahlen, damit du, gerade bei deinen langen Serien, nicht mit Personen und Ereignissen durcheinanderkommst? Ich durfte ja mittlerweile schon erfahren, wie komplex deine Welt und deren Personen sind.

Horus: Meine erste Trilogie habe ich als Pantser geschrieben. Das würde ich aber nie wieder machen, weil ich da auf einige Abwege geraten bin und viel Zeit verloren habe. Ich habe viele Geschichten zu erzählen und bleibe nicht gern in einer hängen. Außerdem kann man bestimmte komplexere Plotstrukturen nur aufbauen, wenn man von Anfang an zumindest rudimentär geplant hat. Ich mache das wie ein Architekt: Wenn das Gerüst einmal steht, kann kaum noch etwas schiefgehen. Dann hat man auch den Freiraum für Improvisation und spontane Ideen. Der grundsätzliche Plot ist dann wie ein Netz, das einen auffängt.
Einen Zeitstrahl müsste ich viel gründlicher machen, mache ich aber nur so viel wie gerade nötig, damit ich mit den Zeitaltern, dem Alter der Figuren und generell der Geschichte nicht durcheinanderkomme.
Es ist schon ziemlich wichtig, wenn die Wege von verschiedenen Personen aus meinen Geschichten sich kreuzen, wenn zum Beispiel eine Hauptperson aus einer Geschichte als Nebenfigur in einer anderen Geschichte vorkommt, dass dann ihr Alter stimmt. Wäre blöd, wenn sie als Teenager dargestellt würde, obwohl sie eigentlich vom Zeitablauf her hoch in den Vierzigern sein müsste.
Charakterbögen usw. muss ich führen, weil ich sonst bei meinem riesigen Figurenensemble der Gesamtwelt vollkommen durcheinanderkomme. Ich versuche, das ziemlich akribisch zu machen, verfluche mich aber immer regelmäßig, weil ich bestimmte Sachen nicht eingetragen habe und dafür dann in meinen eigenen Geschichten recherchieren muss. Die Bibel meiner Storys zu führen, ist eben Arbeit, und die nächste Geschichte ist immer interessanter als Buchführen.
Meine Bibel, die intern bei mir „Kompendium Terra-Marani“ heißt, ist inzwischen zu recht beachtlichen Ausmaßen angewachsen. Eine Wikipedia würde sich lohnen, aber die einzurichten bin ich zu faul. Vielleicht macht das ja irgendwann eine KI für mich. Dazu kann man die Büchse schließlich gut gebrauchen. Für Kunst nicht.
 
Swapnix: Für Ninragon hast du ein ganz neues, sehr komplexes Magiesystem entwickelt, welches ich bisher so noch nicht gelesen habe. Wie bist du da herangegangen?

Horus: Nein, habe ich tatsächlich nicht.
Das kann jeder halten, wie er will, und es ist absolut legitim und okay, wenn jemand das anders sieht, und er oder sie kann es gerne machen, wenn er oder sie Freude daran hat – ab und zu finde ich so etwas auch total interessant. Unter meinen Lieblingsbüchern gibt es sogar ein paar gute Beispiele dafür … aber ich persönlich finde Magiesysteme doof.
Das hat etwas von Reißbrett und erweckt den Eindruck, dass man die Welt von außen betrachtet, wie ein Spiel, sie damit aber auch ein ganzes Stück von einer Wirklichkeit abrückt, die man ernst nimmt und für die Zeit des Erzählens als real annimmt. Ich finde, so etwas entwertet die Welt, in der man sich entschlossen hat zu erzählen. Aber das ist, wie gesagt, mein ganz persönliches Empfinden, und das wende ich auch nur auf mein eigenes Schreiben so an. Autoren müssen ja in ihrer Rolle als Autor besonders kritisch sein und bestimmte Sachen „nicht mögen“, denn das definiert ja immerhin das, was sie selbst schreiben wollen. Das hört sich dann immer recht kritisch und mäklerisch an, gilt aber in diesem Moment nur für den Aspekt des eigenen Berufs, das eigene Schreiben. Wenn man davon abrückt und sich nur als Leser betrachtet, sieht die Welt mit einem Mal ganz anders, sehr viel toleranter und offener aus. Das Kritisieren ist allein der Tunnelblick des Autors in seinem Beruf.
Zurück zu Magiesystemen: Eine Welt funktioniert nicht nach sauber ausgedachten Regeln. Das haut vielleicht auf einem Spielbrett hin. Unsere wirkliche Welt funktioniert immerhin auch nicht nach sauberen, abtrennbaren Regeln.
Den Kern, wie ich in meinen Büchern Magie darstelle, bildet eigentlich meine ganz reale Weltsicht, meine Sichtweise und mein Glaube daran, wie die Welt grundsätzlich funktioniert. Dazu habe ich mir dann vorgestellt, es gäbe Magie auf eine sehr handgreifliche und direkte Art wirklich, und habe danach alle Regler bis zum Anschlag hochgedreht.
Man will ja schließlich etwas erleben, wenn man ein Buch liest.
Darauf baue ich dann auf.
Statt einem Magiesystem gibt in meiner Welt Magietheorien, denn jeder will natürlich diese Mächte und Kräfte begreifen, und jede dieser Theorien sieht Magie ein wenig – oder auch gewaltig – anders. Aber alle beziehen sich auf die gleiche magische Realität. Und für die habe ich ein Gefühl, ein ziemlich klares sogar. Aber keine Tabellen.
Und vielleicht verändert sich diese magische Realität ja auch mit der Zeit und der Betrachtungsweise. Frag mal einen Quantenphysiker danach, wie er die Realität sieht.
 
Swapnix: Welche deiner Figuren war für dich am einfachsten zu entwickeln, und welche hat sich am ehesten gesträubt, sich von dir einfangen und auf Papier bannen zu lassen?

Horus: Hm, das ist schwierig. Es gibt Figuren, die kann ich eher nachvollziehen als andere, aber in jedem Protagonisten, in jeder Protagonistin, die ich gerade schreibe, bin ich wirklich drin. Da zählt gar nicht so sehr ein Charakterbogen, sondern eher ein Gefühl für diese Figur, wie sie sich bewegt, wie sie denkt, wie sie spricht.
In Amara konnte ich relativ leicht reinschlüpfen. In Danak auch. Bei Erion musste ich mich manchmal dazu zwingen, so zu empfinden wie er. Hm, ich merke gerade, dass es mir oft deutlich einfacher fällt, in einen weiblichen Charakter als Erzählperpsektive hereinzuschlüpfen. Das ist komisch. Manche männlichen Charaktere sind mir einfach zu … männlich. Es wird leichter, wenn sie das auf eine ziemlich überzogene Art sind. Zum Beispiel fallen mir trockene, lakonische männliche Charaktere irgendwie leicht.
Auric fiel mir leicht, dieses Grundprinzip eines intelligenten und gebildeten Barbaren. Denn ich konnte das Gefühl gut nachempfinden, in der Umgebung, in die man hineingeboren wurde, einfach nicht dazuzugehören.
 
Swapnix: Würdest du sagen, deine Bücher sollen hauptsächlich unterhalten, oder gibt es Dinge, die du mit ihnen transportieren möchtest?

Horus: Zuallererst einmal und als Grundbedingung sollen sie unterhalten. Wenn ein Buch nicht unterhält, taugt es nichts. Alles andere kommt später und kann dazukommen.
Ich versuche, meine Bücher so zu schreiben, dass sie auf verschiedenen Ebenen funktionieren. Jemand, der nur eine spannende und interessante Geschichte lesen will, bekommt sie. Wenn er/sie oder jemand anderes danach mehr will, kann er/sie sich die gleiche Geschichte unter einem anderen Blickwinkel anschauen und wird vieles unter dem normalen Plot entdecken. Aber das muss er/sie nicht.
Ich möchte keine Botschaft transportieren, denn wenn ich das Buch geschrieben und veröffentlicht habe, ist es nicht mehr meins, sondern es gehört allein dem Leser. Ich habe nur die Verpflichtung, als professioneller Lügner ihm ein so komplexes Geflecht, ein so dichtes und ernsthaftes Tableau zur Verfügung zu stellen, dass er sich selbst mit seinen Fragen und seiner Suche nach Antworten darin wiederfindet. Vielleicht gebe ich ihm auch ein paar Stupser.
Eigentlich will ich nur ganz normale menschliche Werte vermitteln, wie Mitgefühl, Toleranz, den Wert von Freundschaft und Loyalität, Engagement für die Dinge, an die du glaubst, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen und alles auf diesem Weg hineinzulegen. Solche ganz normalen, banalen Dinge eben.
 
Swapnix: Was müssen Lesende mitbringen, um deine Geschichten verschlingen zu können?

Horus: Neugier. Entdeckerlust. Die Freude, bei etwas Bekanntem anzufangen und sich dann auf ein Abenteuer einzulassen. Der grundsätzliche Wille, sich auf etwas einzulassen, auf neue Erfahrungen, und die Bereitschaft, in etwas zu versinken: in einer Geschichte, dem Bewusstsein einer Person, in einer fremden Welt.
Aber ist es nicht das, warum wir eigentlich alle lesen?
 
Swapnix: Abschließend würde ich gern noch zwei Dinge von dir wissen: Woran arbeitest du momentan, und besteht die Möglichkeit, dich mal lesen zu hören, und falls ja, wo?

Horus: Nein, ich lese immer leise.
Scherz beiseite. Lesungen sind eigentlich nicht so meins; nicht, weil ich nicht gerne vorlese, sondern weil ich in der Zeit, die es braucht, um solche Veranstaltungen zu bewältigen, lieber meine nächste Geschichte schreibe. Aber vielleicht mache ich ja demnächst ein paar Reels, in denen ich Ausschnitte aus meinen Büchern vorlese.
Das bringt mich dazu, woran ich momentan arbeite. Ich schreibe gerade unter Hochdruck an den letzten beiden Bänden von „Der Ring der Elfen“. Danach werde ich erst mal eine Ortsbestimmung machen und planen, was als Nächstes wirklich drankommt.
Ich habe schon eine neue zehnbändige Reihe auf Lager, ich will meine Debüt-Trilogie überarbeiten, weil ich sie damals mit einem ganz bestimmten Mindset geschrieben habe und sie jetzt auch für eine größere Lesergruppe zugänglich machen möchte. Vor allem, da ihre Hauptperson eine nicht ganz unwichtige Rolle in anderen Erzählungen spielt und ihre Biografie quasi die Vorgeschichte zu den meisten meiner späteren Bücher darstellt. Ich möchte, dass möglichst viele Leser der anderen Bücher und Reihen die Geschichte von Auric dem Schwarzen lesen und dieses Buch auch genießen können. Derzeit sehe ich das so, dass ich die Urfassung allen, die sie lesen wollen oder lieb gewonnen haben, ebenfalls weiterhin zugänglich halten möchte.
Darüber hinaus habe ich Ideen und Planungen, die mich über Jahre beschäftigen werden. Ich will unter anderem zwei Meta-Erzählbögen schließen, einen großen … und den ganz großen. Nach dem Letzteren haben mich schon viele gefragt und jetzt – nach ein paar Sachen, die ich in „Ring der Elfen“ eingearbeitet habe – komme ich nicht mehr dran vorbei, mich dem auch wirklich zu widmen.
Viel zu tun. Auf geht’s! Labadi!
 
Swapnix: Oh ja das scheint mir auch so! 
Lieber Horus, ich danke dir für diese sehr spannenden Einblicke in dein Autorendasein und wünsche dir weiterhin viele begeisterte Lesende!

#autorenvorstellung  
#autoreninterview
#reihenvorstellung  
#derpfaddesmagiers  
 
(Quelle Bild: Horus W. Odenthal)

13 Mai 2026

Rezension zu Amazing Alice- The great Divide von Elias Tembo


 

 
 
 

Alice Geschichte beginnt in Kassel im Jahre 2123, die Welt hat den 3. Weltkrieg erlebt, die eine Hälfte der Welt hat sich in eine virtuelle Realität zurück gezogen. Alice ist Hackerin, arbeitet für reiche Arbeitgeber und bekommt einen neuen Auftrag.

Was sich anfangs als ( für Alice) relativ einfach angeht, führt sie durch die verschiedenen Realitäten und lässt sie als eine Andere zurück, als sie vorher war.

Alice hat sich angewöhnt, bestimmte Routinen durch Liedtexte auszulösen, ist wandlungsfähig und kaum zu erwischen. Viele der Liedtexte und Filme kommen mir aus meiner Jugendzeit bekannt vor. Und so hatte ich beim Lesen meinen Spaß und war immer wieder fasziniert, wie passend der Autor diese zu den jeweiligen Situationen auswählte!

Doch während dieses Auftrags scheint ihr ihr Ziel immer einen Schritt voraus zu sein . Zu ihrem Pech stolpert sie auch noch in eine Reality Show hinein und muss sich hier um die Folgen kümmern. Nun spielt sie nicht nur mit MESSMER ein Katz- und Maus-Spiel sondern gleich mit einer großen Menge an Menschen.

 

Eliast Tembos Geschichte ist absolut spannend, modern und rasant! Die Charaktere bleiben geheimnisvoll, trotzdem konnte ich mich beim lesen sehr gut mit Alice identifizieren. Die Plot Twists waren atemberaubend und erschütternd, erhöhten die Spannung der Geschichte so sehr, dass ich das Buch nicht aus den Händen legen konnte und die 239 Seiten nur so dahin flogen! Ich freue mich extrem auf den 2. Teil!

Für mich ist dieses Buch, jetzt schon, eines der Jahreshighlights 2026 

 

Interview mit Florian Rudewig aka Elias Tembo zu Amazing Alice- The Great Divide

 


 
 
 


Heute feiert ein Buch seinen Release, dessen kompletten Entstehung ich begleiten durfte. Und so möchte ich euch Amazing Alice- The Great Divide und seinen Autor Elias Tembo / Florian Rudewig vorstellen.

Florian war so nett, mir meine Fragen zu Beantworten.

 

Swapnix: Hallo Florian, schön, dass du trotz Veröffentlichungswirbel für mich Zeit hast. Bitte stell dich doch gern meinen Lesenden vor. Wer bist du, und wie viele 😉? Und was machst du, wenn du nicht gerade Geschichten schreibst?

Florian: Ich bin Ehemann und Vater zweier Kinder, was mein Leben in allererster Linie bereichert. Für den Broterwerb arbeite ich als Buchhändler bei Thalia in der Kasseler Innenstadt.

Zudem lese ich, bin passionierter Pen&Paper-Rollenspieler, liebe Musik, Serien, Filme, meine Freunde und bin seit über 40 Jahren leidenschaftlicher Fan von Eintracht Frankfurt.

 

Swapnix: Seit wann schreibst du und in welchen Genre bewegst du dich?

Florian: Nach Jahren, in denen ich mir für das Rollenspiel Welten, Helden und Abenteuer ausgedacht habe, war der natürliche Schritt der in die (High-) Fantasy. Nachdem ich vor fünf Jahren mit dem Schreiben durchgestartet bin, habe ich im Rahmen meiner ‚Wandlerwelten‘ drei dicke Romane fertiggestellt. Aber ich fand es schwierig, dafür breiteres Interesse zu finden. Die Bereiche KI und Virtuelle Welten in einem Science Fiction-Kontext waren für mich dann der logische Schritt hin zu aktuelleren Themen. Diese beiden Genres waren neben typisch belletristischen Inhalten auch schon immer meine Favoriten. Ich habe aber auch schon ernsthaft autobiographisch geschrieben.

 

Swapnix: Worum geht es denn in deinem Buch Amazing Alice und was hat dich zu ihrer Geschichte inspiriert?

Florian: Das war ein Story-Vorschlag (Prompt) von einem kleinen SF-Verlag im Internet (ich weiß nicht mehr, welcher). Beim Schreiben habe ich mich aber von einigen Vorgaben entfernt und aus der Kurzgeschichte ist ein Roman geworden, der innerhalb der AmAlice-Trilogie sogar noch zwei Fortsetzungen bekommt.

Meine Heldin Alice ist eine Hackerin, die wie eine Detektivin arbeitet. Sie bekommt den Auftrag, MESMER zu finden, den schon lange untergetauchten reichsten Menschen der Erde. Das ist der Beginn einer atemlosen, wendungsreichen Jagd, in der Alice oft gleichzeitig fliehen und Nachforschungen anstellen muss, um sich gegen das System MESMER zu behaupten. Dabei setzt sie nicht nur all ihr Können ein, sondern ihre Welt wird mehrfach auf den Kopf gestellt.

 

Swapnix: Amazing Alice spielt, wenn auch in einer fernen Zukunft, so doch in deiner Heimat Kassel und den Städten rund herum, wie kam es dazu?

Florian: Perfekt ausgereifte, also ununterscheidbare, virtuelle Welten sind die Grundvoraussetzung für die Geschichte. Mir scheint denkbar, dass solche im Jahr 2123 existieren. Für den anderen Punkt gibt es zwei Gründe: Zuerst der Autorengrundsatz: Schreibe, was du kennst. Und außerdem gibt es schon ermüdend viele Stories, die in New York oder London spielen. Meine Handlungsorte sind aber weder geschichtlich noch inhaltlich beliebig. Ob Köln, Frankfurt oder Panama, mit jedem Ort hat es eine spezifische Bewandtnis. Kassel in 100 Jahren ist zum Beispiel ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Europa.

 

Swapnix: Welchen Charakter zu entwickeln und zu schreiben hat dir am meisten Spaß gemacht und bei welchem fiel es dir am schwersten?

Florian: Alice hat eine besondere Geschichte, die ich hier auf keinen Fall preisgebe. Diese hat sich erst während des Schreibens herausgebildet. Ich war also sozusagen der allererste Leser einer neuen Idee. Das ist, was am Schreiben besonders viel Spaß macht. Mit MESMER habe ich mir viel Mühe gegeben. Niemand denkt von sich, dass er der Bösewicht ist. Er ist ein mächtiger Charakter mit sehr klaren, eigenen Interessen, aber kein Unmensch. Es ist die Konsequenz, mit der er seine egoistischen Ziele verfolgt, die für große Teile der Welt Probleme bedeuten. (So ist es ja auch bei den aktuell mächtigen Männern in 2026.)

 

Swapnix: Spannend fand ich, wie Alice die Musik für sich benutzt. Wie kamst du auf diese Idee und warum hast du gerade diese Songs ausgesucht?

Florian: Musik ist seit 45 Jahren wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich höre beim Kochen, Putzen, Lesen, und tatsächlich auch Schreiben Musik im Hintergrund. Und natürlich auch konzentriert und ausschließlich. Es ist das Medium, das mich direkt bei den Emotionen packt.

Als ich einen Weg suchte, im Text zu zeigen, WIE Alice einen Hack vornimmt, wie sie Computer und digitale Systeme manipuliert, hat sich die Musik geradezu aufgedrängt. Als assoziativer Mensch hat sich mir für jede Situationen ein  REALER Song offenbart, aus dem ich dann ein paar Zeilen übernommen habe. Aber die Tantiemen dafür kann ich nicht zahlen. Also habe ich Musiker, Alben und Songs erfunden, die in die gleiche Richtung gehen, ohne nur zu plagiieren. Im Anhang habe ich den ausschlaggebenden Künstlern dann gedankt. Zwei meiner geschriebenen Songs verwandeln sich gerade auch in echte Musik – echt cool!

 

Swapnix: In deinem Buch geht es um virtuelle Realitäten und KI, was genau fasziniert dich daran und was siehst du kritisch?

Florian: Eigentlich brauche ich KI/AI nur als Schlagwort, denn darunter werden Zurzeit Sprachanalyse-Programme wie ChatGBT oder etwas ganz anderes verstanden, das mit menschlicher Intelligenz nicht viel gemein hat. Eigentlich schreibe ich über KB - Künstliches Bewusstsein. Noch spezieller den Moment, wo Menschen künstlich erzeugte Wesen als moralisch gesehen gleichberechtigt anerkennen sollten, ja müssen. Ob so etwas geschieht, ist sicherlich der spekulativste Teil meiner Geschichte.

Wir können – hier und jetzt – nicht wirklich ausschließen, in einer virtuellen Welt zu leben. Kein Einzelner und auch nicht als Menschheit. Das ist das Spannende daran. Im Endeffekt leben wir doch immer in mindestens drei unterschiedlichen Welten gleichzeitig. Der Welt der Sinne und Dinge, in der wir agieren, die Welt der Moleküle, Anziehungskraft und Strahlung, die unsere Wissenschaft und Technik begründet, und in der Welt der Sprache, denn wo würden sich Liebe, Frieden, Gerechtigkeit oder Rachsucht sonst finden lassen?

 

Swapnix: Abschließend möchte ich noch gern von dir wissen, ob, wann und wo wir dich aus deinem Buch lesen hören können? Und natürlich ob Teil 2 bereits in Arbeit ist?

Florian: Ich hoffe, noch im Mai in der Thalia-Buchhandlung am Bebelplatz (in Kassel) lesen zu können. Eingeladen bin ich, aber wegen der Neueröffnung steht der Zeitpunkt noch nicht fest. Ganz sicher lese ich in der ‚Werkstatt‘ am Freitag, den 5. Juni 2026 (an der Stadthalle) und im Rahmen von Books&Arts am 14. Juni in der Kesselschmiede (Brandaustr. 1-3).

Teil 2 habe ich zu geschätzt 2/3 geschrieben und zu Ende ‚geplotted‘. Ich weiß also grob, wie es ausgeht. Ich kann mir vorstellen, ihn im Herbst herauszubringen. Allerdings hängt das schon ein wenig davon ab, wie Amazing Alice 1 – The Great Divide beim Publikum ankommt.

 

Swapnix: Lieber Florian, vielen Dank für diese spannenden Einblicke in die Entstehung und Hintergründe, deines Buches! Ich wünsche Dir viele begeisterte Lesende und freue mich schon sehr auf Band 2!

Florian: Ich danke dir. Wirklich gute Fragen! Und allen Lesern viel Spaß!

 

 

#happyreleaseday  

#AmazingAlice   

#Autorenvorstellung 

#Debütroman