17 Juli 2026

Interview mit Niels-Johannes Günther zu Implex World


 



Grüßt euch ihr Lieben, heute habe ich Niels-Johannes Günther zu Gast. Er hat vor Kurzem im Self-Publishing „Implex World“, einen dystopischen Thriller, veröffentlicht. Heute darf ich ihm dazu einige Fragen stellen.

 

Swapnix: Hallo Niels-Johannes, wie hättest du es gern? Doppelnamen oder nur Niels? Schön, dass du da bist, bitte stell dich doch den Lesenden vor. Wer bist du und wie viele und was machst du, wenn du nicht schreibst?

Niels: Niels reicht völlig :-) Ich bin ein Schriftsteller aus Stuttgart. Es fasziniert mich einfach, über die Welt und Themen, die mich bewegen, nachzudenken und sie dann in packende Geschichten zu verwandeln.

Wenn ich nicht schreibe, bin ich gerne in der Natur, treffe mich mit Freunden oder der Familie, verreise, lese oder schaue Filme.

 

Swapnix: Seit wann schreibst du, in welchem Genre und für wen?

Niels: Ich schreibe seit der dritten Klasse, mit anfänglich eher kläglichen Schreibversuchen. Es gibt von mir den Gedichtband „Worte herzgemacht“ und einen Kinder-/Jugendroman „Die Schatzfänger“. Beide im Verlag edition federleicht erschienen. Im Mai 2026 ist mein erster Roman für Erwachsene erschienen: „Implex World“. Darin nehme ich die Lesenden mit auf die Erde im Jahr 2088 und eine actionreiche Suche, beziehungsweise Flucht vor dem Staat.

 

Swapnix: Wie kam die Erweiterung deines Schreibens hin zu einem dystopischen Thriller zu Stande? Was hat dich dazu inspiriert?

Niels: Implex World ist ein Kind der Corona-Zeit. Etwas Düsteres schien mir in der Zeit passend. Doch es ist dort ab und zu auch sehr ausschweifende Lebensfreude vorhanden, etwas, was uns allen in der Quarantäne ja nicht vergönnt war. Die Geschichte geht aber auf eine Idee zurück, die schon 20 Jahre zurückliegt und an der ich immer mal wieder vorbereitend geschrieben hatte (erst als ein originäres Drehbuch). Der Roman Implex World ist ein Scifi-Action-Thriller. Man kann ihn auch als Cyberpunk bezeichnen. Für mich ist es aber einfach die Geschichte des Kleinkriminellen John, der sich Nacht für Nacht Cybergames ins Gehirn reinlädt und aufwachen muss. Er hat noch nie gelebt und muss überhaupt erstmal ins echte Leben reinfinden. Die weibliche

Hauptfigur ist die toughe Kenianerin Bahiya, die der Sklaverei ihrer Kindheit entkommen ist und nun als Illegale und Terroristin in der United World lebt. Sie hat in ihrem Leben noch nie geliebt. Was ist ein Leben ohne die Liebe?

Wie kam ich zu dem Genre? Ich mag einfach Sciencefiction: Star Wars, Star Trek, all die vielen Scifi-Filme: Klassiker wie „Metropolis“, „1984“ und so weiter, oder moderne Filme wie „Matrix“ oder „Inception“… Das ist einfach mein Genre. Ich wollte schon seit meiner Kindheit einmal selbst Sciencefiction schreiben.

 

Swapnix: Worum geht es grob in „Implex World“ und gibt es etwas, was du mit diesem Buch transportieren möchtest (worauf du aufmerksam machen willst)?

Niels: Nachdem Johns Implex ausgefallen ist (das ist ein Implantat am Kopf, mit dem jeder Mensch sich Cybergames direkt ins Gehirn reinladen kann), beginnt er die heile Welt, in der er lebt, zu hinterfragen. Eher zufällig stößt er auf die Terroristin Bahiya und sie müssen notgedrungen gemeinsame Sache machen. Sie suchen die ominöse Widerstandsbewegung, die sich irgendwo in den verseuchten Südterritorien versteckt halten soll. Dabei werden sie gnadenlos gejagt von Raimond, dem Geheimdienst-Chef, dem jedes Mittel recht ist, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Außerdem gibt es da noch Salvador Cerúca, den Schöpfer des Implexes, ein mächtiger Tech-Mogul, der seine ganz eigenen großen Pläne für die Welt hat… Und dann geht die Handlung erst richtig los.

Ich möchte mit dem Buch auf zahlreiche aktuelle Themen aufmerksam machen: Mächtige Tech-Konzerne: Wie sehr beherrschen sie uns? Der Überwachungs-Staat, in den auch heutige Demokratien abzudriften drohen. Das globale Nord-Süd-Gefälle, (auch) durch die europäische Kolonialzeit. Ganz besonders aber die weltweite Sklaverei, die heute immer noch existiert.

 

Swapnix: Warst du dir während deiner Recherchen im Klaren darüber, dass es noch immer, auch hier, Menschen gibt, die ein Sklaven-Dasein fristen? Und könntest du ein Beispiel dafür geben?

Niels: Ja. Kevin Bales hat heutige Sklaverei schon im Jahr 2001 für die UN untersucht und es als Buch „Die neue Sklaverei“ veröffentlicht. Ich habe das für meine Recherche vor dem Schreiben (2020) gelesen. Er gibt dabei so grausame, reale Beispiele: Ein Mädchen (12 oder 14 Jahre), das in Thailand von seinen eigenen Eltern in ein Bordell verkauft wird, aus großer finanzieller Not heraus, und das Nacht für Nacht bis zu 20 oder gar 30 Männern für Sex zur Verfügung stehen muss…

Männer, die tief im Regenwald in Brasilien an mehrere Hundert Grad heißen Hochöfen Tag für Tag aus Holz Kohle herstellen müssen, als Zwangsarbeiter. Kohle, die wir hier kaufen, um unseren Grill anzuschmeißen.

Mauretanien, in dem die Sklaverei völlig offen gelebt wird: Sklavenhalter, die mit ihren Sklavinnen einfach so auf der Straße laufen. Die Versklavten sind dort zu 90 % Frauen und Kinder. Der Global Slavery Index spricht von 150 000 Sklaven dort, Menschrechts-Organisationen von fast einer Million.

Das Schlimme ist, das wir die Augen vor der modernen Sklaverei verschließen und sie (in unseren Köpfen) für „beendet“ erklärt haben (nach dem Altertum oder dem transatlantischen Sklavenhandel). Fakt ist, Sklaverei ist heute Realität für 50 Millionen Menschen auf der Erde: Zwangsprostitution, Zwangsarbeit, Leibeigenschaft, Zwangsehe… Das ist mehr als jemals in der Menschheitsgeschichte!

 

Swapnix: Wo gibt es heute aktuell denn die meisten versklavten Menschen, in welchen Ländern?

Niels: Die meisten Sklavinnen und Sklaven gibt es heute in Nordkorea, neben Mauretanien in Eritrea, doch auch in vielen Ländern des Mittleren Ostens (dort gibt es die höchste Sklaven-Dichte pro Bevölkerung), doch auch Länder, die man nicht damit verbindet: die Türkei (1,3 Mio. Sklaven laut ILO) oder Russland (1,8 Mio.), außerdem Tadschikistan und Afghanistan. Hinzukommen die großen Schwellenländer wie China (geschätzt 5 Mio.) und Indien (11 Mio.).

Doch auch in Europa, in den USA, schlicht in allen Ländern der Erde, gibt es Fälle von Sklaverei. Und: Gerade hier im wohlhabenden Westen kaufen wir Produkte (Kaffee, Schokolade, Kleidung usw.), die auch von Sklaven produziert werden. Als Konsumenten haben wir eine Mitverantwortung.

Und besonders erschreckend ist, dass nach ILO die Zahl der weltweit versklavten Menschen von 2016 bis 2021 (in nur 5 Jahren) um 10 Millionen Menschen gestiegen ist!

Es ist wichtig, dass wir uns der Sklaverei wieder bewusst sind, dass wir uns informieren, vernetzen und über Menschenrechtsorganisationen engagieren.

 

Swapnix: Zurück zu deinem Roman. Dort findet die Kontrolle technologisch statt. Glaubst du, es wird tatsächlich in eher näherer Zukunft möglich sein, dass wir Menschen über kleine Geräte dermaßen manipulieren können?

Niels: Heute ist das noch Sciencefiction. Ich hoffe nicht. Aber Ansätze für Gehirn-Computer-Schnittstellen gibt es bereits. Neuralink von Elon Musk entwickelt eine BCI, ein Implantat im Gehirn, mit dem der Nutzer gelähmte Körperregionen wieder steuern kann. Ich denke, im Bereich von Gehirn-Schnittstellen oder Implantaten wird sich in den nächsten 10 Jahren viel tun. Und bis zum Romangeschehen von „Implex World“ sind es ja noch 60 Jahre…

Die technologische Entwicklung geht immer schneller, das Handy war in den Neunzigerjahren noch ein Knochen, heute sind unsere Smartphones tragbare Mini-Computer, die uns als externes Gedächtnis oder Spielekonsole dienen. Wie abhängig sind wir davon schon heute? Und wenn sich unsere Handys eines Tages in Implexe verwandeln, die wir an unser Gehirn anschließen können, würden wir es tun?

 

Swapnix: Wird die Möglichkeit bestehen, dich auf Messen/Events zu treffen bzw. lesen zu hören?

Niels: Im Herbst 2026 wird es in Stuttgart „im Kiosk“ eine große Lesung geben. Der Kiosk ist ein kleiner, non-kommerzieller Veranstaltungsort für Kunst/Kultur/Austausch im Stuttgarter Westen.

Für nächstes Jahr plane ich mit meinem Roman „Implex World“ einen Messestand auf der noch relativ neuen Stuttgarter Buchmesse (bislang in der Schwabenlandhalle in Fellbach).

Für alle anderen: Schaut auf meinem Insta-Account, auf TikTok oder YouTube vorbei, da gibt es regelmäßig Videos und Fotos rund ums Schreiben und über meine Romane :-)

 

Swapnix: Nun bin ich natürlich neugierig, hast du schon ein neues Projekt, an welchem du schreibst, und wird es für jugendliche oder erwachsene LeserInnen sein?

Niels: Ich denke, jeder Schriftsteller hat immer irgendein oder auch mehrere Projekte. Aber es ist zum fertigen Buch oft ein weiter und steiniger Weg. Lange werden nur Ideen gesammelt oder es wird nur über Themen recherchiert, die reinkommen sollen. Jeder Roman ist immer ein Wagnis. Man weiß nie, ob man da auch am Ziel ankommt. Deshalb kann ich nicht über Dinge reden, die noch nicht fertig sind.

So viel sei aber schon verraten: Es gibt ein Projekt für Erwachsene, Sciencefiction, mehr Richtung Fantasy, das schon in der ersten Fassung fertig ist, erscheinen wird es aber erst 2028. Für nächstes Jahr sind als Veröffentlichungen erstmal noch das E-Book und auch das Hörbuch von „Implex World“ geplant. Im Herbst dieses Jahres möchte ich außerdem einen Romanschreib-Kurs aufbauen. Also vieles, auf das man sich freuen kann!

 

Swapnix: Lieber Niels, ich danke dir für dieses spannende Interview und wünsche „Implex World“ noch sehr viele begeisterte LeserInnen!

Niels: Tausend Dank! Ich hoffe, ich konnte deine FollowerInnen unterhalten und ihnen spannende Einblicke geben.

 

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(Quelle Foto: Niels-Johannes Günther, bearbeitet mit Canva Pro)

 


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