12 Mai 2026

Rezension zu Merleau- Eine Mondbogengeschichte von Joachim Sohn, erschienen in der Edition Outbird


 

 
Als ich in der Ankündigung der @edition_outbird sah, dass es eine weitere Geschichte aus dem Mondbogenuniversum von @joachim_sohn geben würde, war ich sofort angefixt! Dazu kam, dass Pinselmagier @holgermuch das Buch erneut illustrieren würde.
Dieses mal ging es um Kommissar Merleau, der kurz vor der Rente ist. Er hat seinen Teampartner verloren und bekommt die junge Polizistin Veronique zur Seite gestellt, die gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen hat.
Die Geschichte beginnt damit, dass ein kleines Mädchen verschwunden ist, welches von der Mutter vermisst gemeldet wird. Erst glaubt Merleau, dass die Anzeige in der falschen Abteilung gelandet ist, doch Veronique ist sich sicher, dass der Fall von ihnen bearbeitet werden muss.
Während der Ermittlung tauchen plötzlich viele Vögel auf die Veronicque und Merleau mit alten und neuen Zetteln überhäufen.
Diese Geschichte ist dieses Mal düsterer als die erste, allein schon das Thema der Kindesentführung hat mich sehr tief bewegt, denn es weckt natürlich als Mutter tiefe Ängste in mir.
Auch Merleau muss sich, während der Ermittlung, mit seinen Ängsten und Kriegs-Traumata auseinandersetzten. Dieser Teil der Geschichte, pendelt zwischen Euphorie und tiefem Entsetzen, manchmal war ich mir nicht sicher, befinde ich mich gerade in der Gedankenwelt Merleaus oder passiert das gerade wirklich? Das hat für mich das Lesen unheimlich spannend gemacht und mich extrem in die Geschehnisse hineingezogen!
Immer wieder finden wir beim Lesen wunderschöne, mal leichte mal düstere Illustrationen von Holger Much, die sic wunderbar in die Geschichte einfügen. Außerdem gibt es auch wieder ein Daumenkino, was ich sehr liebe!
 

Joachim Sohn hat hier wieder eine spannende, vielschichtige Geschichte, mit neuen aber auch bekannten Charakteren geschrieben. Sie ist wieder sehr gut recherchiert und wurde aus historischen Hintergründen entwickelt. Der Kriminalfall ist spannend, wirkt authentisch, lässt die Lesenden mitfiebern und entführt in tiefe menschliche Abgründe. Es ist absolut keine leichte Kost, da die angeschnittenen Themen sehr berühren und bewegen, aber absolut empfehlenswert für Lesende die gern düster, schaurige, und authentische Bücher lesen. Tatsächlich konnte ich es nicht aus den Händen legen und da ich Zeit hatte, war es an einem Tag durchgelesen.

 

Interview mit Joachim Sohn zu seinem Buch Merleau - eine Mondbogengeschichte


 

 
 

Grüßt euch ihr Lieben, heute habe ich mal wieder Joachim Sohn zu Gast, denn zur Leipziger Buchmesse ist seine 2. Mondbogengeschichte in der Edition Outbird erschienen.

 

Swapnix: Lieber Joachim, es ist schön, dich mal wieder hier zu haben, erzähl mir doch bitte mal, wie es dazu kam, dass es jetzt eine weitere Geschichte aus dem „Mondbogen-Universum“ gibt?

Joachim: Als ich erstmals die Idee zum Raben Jacques Schroeder hatte, der Menschen Botschaften aus der Mondbogenwelt bringt, um ihnen zu helfen, wusste ich, dass es weitere Geschichten geben muss. Ich wusste noch nicht mit wem, aber die „wahre Geschichte“ von dem Mädchen, das lebend begraben wurde, hat mich lange schon erschüttert, so dass mir klar war, wenn der Rabe noch eine Aufgabe hat, dann die, ein Mädchen aus solch einer Situation zu retten.

 

Swapnix: Worum geht es ganz grob dieses Mal?

Joachim: Wir sind wieder in dem kleinen Städtchen Luneville in Lothringen in Frankreich. Diesmal ist es der etwas grantige Kommissar Merleau, dem diese Botschaften gebracht werden sollen. Im Gegensatz zu Irène aus dem ersten Buch kann er damit allerdings nichts anfangen. Es braucht also einen Sidekick in Form seiner forschen Kollegin Véronique, die ihn mit der Nase darauf stoßen muss, dass die Tiere der Mondbogenwelt – diesmal gibt es neben dem Raben noch weitere – den Kommissar auf eine heilende Reise schicken wollen.

 

Swapnix: Merleau ist ein Kommissar, wie kam es, dass die Geschichte eher ein Krimi wurde, auch wenn die Mystik des Mondbogens weiterhin eine wichtige Rolle spielt?

Joachim: Das liegt schlicht an dem Fall, der mich zu der Geschichte bewegt hat. Konkret war es die Entführung von Ursula Herrmann, 1981. Der Fall hat die gesamte Republik damals aufgewühlt. Das Mädchen hat es aus ihrem Grab nicht herausgeschafft. Wenn es eine weitere Mondbogengeschichte gibt (hüstel), kann es sein, dass es dann mit einem Kriminalfall nichts zu tun hat. Es geht in den Mondbogengeschichten eher um geschichtliche Ereignisse unserer Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit, in die die Charaktere verwickelt sind. Ungelöste Ereignisse aus ihrem Leben, die sie mit sich herumtragen und für die sie nach einer Erklärung suchen. 

 

Swapnix: Wie hast du für dieses Buch recherchiert? Denn auch hier ist das Buch mit vielen geschichtlichen Hintergründen gespickt. Warum fasziniert dich das Thema so sehr?

Joachim: Es macht mir schlicht Spaß, in der Zeitgeschichte herumzuspazieren. Google und Wikipedia sind da meine Freunde und Helfer. Wie schon im ersten Buch bin ich in die Vergangenheit gereist und habe mir angeschaut, was in der Zeit, in der die Geschichte spielt, passiert ist und wie es passiert ist. Um nichts vorwegzunehmen, nenne ich ein Beispiel aus dem ersten Buch. Dort gibt es den Fall, dass sich ein Luftschiff Anfang des 20. Jahrhunderts von Deutschland über die Vogesen nach Frankreich verirrt hat und notlanden musste. Ein historisches Ereignis also, das ich in meine Geschichte eingebettet habe, denn an diesem Tag sehen sich die junge Irène und der Wachsoldat Frederic zum ersten Mal.

Ich habe mich ja lange gefragt, in welchem Genre ich überhaupt schreibe, denn meine Geschichten gehören weder der klassischen High Fantasy an noch der Science Fiction, obwohl es ja von mir beispielsweise die Zeitagenten gibt und andere Science-Fiction-Bücher oder Fantasy-Romane. Der rote Faden, der meine Geschichten durchzieht, ist jedoch, dass ich unabhängig vom Genre historische Ereignisse mit fantastischen Elementen verbinde. Das nennt man dann wohl Historische Fantasy. Das finde ich am spannendsten. Denn das verleiht den fantastischen Elementen mehr Authentizität, wenn ich sie in wahre geschichtliche Ereignissee einbetten kann. Wer meine Mondbogengeschichten liest, soll das Gefühl bekommen, dass es die Mondbogenwelt tatsächlich gibt. Ich hoffe, das funktioniert 😉

Wichtig ist mir darin zum Beispiel die Darstellung der Tiere. Sie verhalten sich wie Tiere, sie haben nichts Anthropomorphes an sich, lachen nicht oder erzählen Witze, nein, Raben krächzen, kollern und flattern, Eichhörnchen putzen sich hektisch und laufen schreckhaft davon. Es gibt keine Kommunikation außer der, die mit ihrer Aufgabe zu tun hat, die ihnen die Mondbogenwelt auferlegt. Gut, Rabe Jacques scheint ein bisschen schlauer zu sein.

 

Swapnix: War für dich gleich klar, wer dein Cover und die Innenillustrationen gestallten sollte, und falls ja, warum?

 

Joachim: Ja! Absolut. Es konnte niemand anderes machen. Nach dem, was Holger aus Irènes Abenteuer illustratorisch gemacht hat, musste er auch Merleau übernehmen. Obwohl er sich anfänglich nicht vorstellen konnte, ein Cover zu gestalten, auf dem im Gegensatz zu einer eher lieblichen Irène, die voller Tatendrang über die Brücke radelt, diesmal ein grimmig dreinschauender Kommissar vor einem blutroten Hintergrund steht. Da musste ich etwas Überredungsarbeit leisten. Aber wenn man die Geschichte liest, sieht man, dass es eine gute Entscheidung war. Und seine Illustrationen im Buch sind wieder so eindringlich und deep geworden, dass mir ein Schauer über den Rücken läuft, wenn ich sie sehe. Einfach fantastisch. Ich bin unendlich dankbar, dass wir uns für die Zusammenarbeit an den Mondbogenbüchern gefunden haben.

 

Swapnix: Ich mag ja Geschichte und Bilder sehr, zudem habe ich mich auch wieder über das Daumenkino gefreut! Ich kann nicht genug davon bekommen, die Raben fliegen zu lassen!

Abschließend würde ich gern noch von Dir hören, was dich außer der Bücher noch mit dem Verlag und Tristan Rosenkranz verbindet. Er feiert ja dieses Jahr sein 10jähriges Jubiläum. Wie lange begleitest du ihn bereits?

Joachim: Ich bin seit 2022 dabei und ich hätte keinen besseren Verlag finden können, der die Abenteuer des Raben repräsentiert. Und ich bin sehr froh und glücklich, mit so vielen großartigen Autorenkolleginnen und -kollegen verbunden zu sein. Der Verlag ist für mich zu einer kleinen Familie geworden. Neben meinen eher heiteren und lustigen Büchern, die einen Teil von mir ausmachen, findet meine etwas dunklere Seite genau dort seinen Platz.

 

Swapnix: Lieber Joachim, ich danke dir für dieses sehr spannende Interview und wünsche dir sowie deinem Buch viele begeisterte Lesende!

 

 

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(Quelle Foto: Edition Outbird, Schön Fotografie)