Grüßt euch ihr Lieben, heute habe ich mal
wieder Joachim Sohn zu Gast, denn zur Leipziger Buchmesse ist seine 2.
Mondbogengeschichte in der Edition Outbird erschienen.
Swapnix: Lieber Joachim, es ist schön,
dich mal wieder hier zu haben, erzähl mir doch bitte mal, wie es dazu kam, dass
es jetzt eine weitere Geschichte aus dem „Mondbogen-Universum“ gibt?
Joachim: Als ich erstmals die Idee zum Raben Jacques
Schroeder hatte, der Menschen Botschaften aus der Mondbogenwelt bringt, um
ihnen zu helfen, wusste ich, dass es weitere Geschichten geben muss. Ich wusste
noch nicht mit wem, aber die „wahre Geschichte“ von dem Mädchen, das lebend
begraben wurde, hat mich lange schon erschüttert, so dass mir klar war, wenn
der Rabe noch eine Aufgabe hat, dann die, ein Mädchen aus solch einer Situation
zu retten.
Swapnix: Worum geht es ganz grob dieses
Mal?
Joachim: Wir sind wieder in dem kleinen Städtchen
Luneville in Lothringen in Frankreich. Diesmal ist es der etwas grantige
Kommissar Merleau, dem diese Botschaften gebracht werden sollen. Im Gegensatz
zu Irène aus dem ersten Buch kann er damit allerdings nichts anfangen. Es
braucht also einen Sidekick in Form seiner forschen Kollegin Véronique, die ihn
mit der Nase darauf stoßen muss, dass die Tiere der Mondbogenwelt – diesmal gibt
es neben dem Raben noch weitere – den Kommissar auf eine heilende Reise
schicken wollen.
Swapnix: Merleau ist ein Kommissar, wie
kam es, dass die Geschichte eher ein Krimi wurde, auch wenn die Mystik des
Mondbogens weiterhin eine wichtige Rolle spielt?
Joachim: Das liegt schlicht an dem Fall, der mich zu
der Geschichte bewegt hat. Konkret war es die Entführung von Ursula Herrmann,
1981. Der Fall hat die gesamte Republik damals aufgewühlt. Das Mädchen hat es aus
ihrem Grab nicht herausgeschafft. Wenn es eine weitere Mondbogengeschichte gibt
(hüstel), kann es sein, dass es dann mit einem Kriminalfall nichts zu tun hat.
Es geht in den Mondbogengeschichten eher um geschichtliche Ereignisse unserer
Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit, in die die Charaktere verwickelt sind. Ungelöste
Ereignisse aus ihrem Leben, die sie mit sich herumtragen und für die sie nach
einer Erklärung suchen.
Swapnix: Wie hast du für dieses Buch
recherchiert? Denn auch hier ist das Buch mit vielen geschichtlichen
Hintergründen gespickt. Warum fasziniert dich das Thema so
sehr?
Joachim: Es macht mir schlicht Spaß, in der Zeitgeschichte
herumzuspazieren. Google und Wikipedia sind da meine Freunde und Helfer. Wie
schon im ersten Buch bin ich in die Vergangenheit gereist und habe mir angeschaut,
was in der Zeit, in der die Geschichte spielt, passiert ist und wie es passiert
ist. Um nichts vorwegzunehmen, nenne ich ein Beispiel aus dem ersten Buch. Dort
gibt es den Fall, dass sich ein Luftschiff Anfang des 20. Jahrhunderts von
Deutschland über die Vogesen nach Frankreich verirrt hat und notlanden musste.
Ein historisches Ereignis also, das ich in meine Geschichte eingebettet habe,
denn an diesem Tag sehen sich die junge Irène und der Wachsoldat Frederic zum
ersten Mal.
Ich habe mich ja lange gefragt, in welchem Genre ich
überhaupt schreibe, denn meine Geschichten gehören weder der klassischen High
Fantasy an noch der Science Fiction, obwohl es ja von mir beispielsweise die
Zeitagenten gibt und andere Science-Fiction-Bücher oder Fantasy-Romane. Der
rote Faden, der meine Geschichten durchzieht, ist jedoch, dass ich unabhängig
vom Genre historische Ereignisse mit fantastischen Elementen verbinde. Das
nennt man dann wohl Historische Fantasy. Das finde ich am spannendsten. Denn
das verleiht den fantastischen Elementen mehr Authentizität, wenn ich sie in
wahre geschichtliche Ereignissee einbetten kann. Wer meine Mondbogengeschichten
liest, soll das Gefühl bekommen, dass es die Mondbogenwelt tatsächlich gibt.
Ich hoffe, das funktioniert 😉
Wichtig ist mir darin zum Beispiel die Darstellung der
Tiere. Sie verhalten sich wie Tiere, sie haben nichts Anthropomorphes an sich,
lachen nicht oder erzählen Witze, nein, Raben krächzen, kollern und flattern,
Eichhörnchen putzen sich hektisch und laufen schreckhaft davon. Es gibt keine
Kommunikation außer der, die mit ihrer Aufgabe zu tun hat, die ihnen die
Mondbogenwelt auferlegt. Gut, Rabe Jacques scheint ein bisschen schlauer zu
sein.
Swapnix: War für dich gleich klar, wer
dein Cover und die Innenillustrationen gestallten sollte, und falls ja, warum?
Joachim: Ja! Absolut. Es konnte niemand anderes
machen. Nach dem, was Holger aus Irènes Abenteuer illustratorisch gemacht hat,
musste er auch Merleau übernehmen. Obwohl er sich anfänglich nicht vorstellen
konnte, ein Cover zu gestalten, auf dem im Gegensatz zu einer eher lieblichen
Irène, die voller Tatendrang über die Brücke radelt, diesmal ein grimmig
dreinschauender Kommissar vor einem blutroten Hintergrund steht. Da musste ich etwas
Überredungsarbeit leisten. Aber wenn man die Geschichte liest, sieht man, dass
es eine gute Entscheidung war. Und seine Illustrationen im Buch sind wieder so
eindringlich und deep geworden, dass mir ein Schauer über den Rücken läuft,
wenn ich sie sehe. Einfach fantastisch. Ich bin unendlich dankbar, dass wir uns
für die Zusammenarbeit an den Mondbogenbüchern gefunden haben.
Swapnix: Ich mag ja Geschichte und Bilder
sehr, zudem habe ich mich auch wieder über das Daumenkino gefreut! Ich kann
nicht genug davon bekommen, die Raben fliegen zu lassen!
Abschließend würde ich gern noch von Dir
hören, was dich außer der Bücher noch mit dem Verlag und Tristan Rosenkranz
verbindet. Er feiert ja dieses Jahr sein 10jähriges Jubiläum. Wie lange
begleitest du ihn bereits?
Joachim: Ich bin seit 2022 dabei und ich hätte keinen
besseren Verlag finden können, der die Abenteuer des Raben repräsentiert. Und
ich bin sehr froh und glücklich, mit so vielen großartigen Autorenkolleginnen
und -kollegen verbunden zu sein. Der Verlag ist für mich zu einer kleinen
Familie geworden. Neben meinen eher heiteren und lustigen Büchern, die einen
Teil von mir ausmachen, findet meine etwas dunklere Seite genau dort seinen
Platz.
Swapnix: Lieber Joachim, ich danke dir für
dieses sehr spannende Interview und wünsche dir sowie deinem Buch viele
begeisterte Lesende!
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#Buchvorstellung
#MerleauEineMondbogengeschichte
(Quelle Foto: Edition Outbird, Schön Fotografie)